Der G20-Gipfel sollte ein strahlendes Ereignis für Hamburg werden. So hatte es sich Bürgermeister Olaf Scholz vorgestellt. Ein wichtiges politisches Ereignis, auf das man stolz sein könne. "Das ist so nicht gelungen", muss er am Sonntag eingestehen.

Scholz, Innensenator Andy Grote, Polizeipräsident Ralf Martin Meyer und Einsatzleiter Hartmut Dudde sind mittags ins Polizeipräsidium gekommen. Vier Männer, die vor dem Gipfel immer wieder gesagt haben, dass sie die Sache im Griff haben. Dass sie die Sicherheit der Bürger garantieren können. Nun sitzen sie vor der versammelten Großstadtpresse und der Polizeipräsident sagt: "Niemand würde sagen, der Einsatz ist großartig verlaufen. Ich würde aber sagen, er ist großartig vorbereitet worden."

Es war der größte Polizeieinsatz, den Hamburg in der Nachkriegszeit erlebt hat. Vieles ist gelungen: Die Sicherheit der Staatsgäste wurde gewährleistet, es kam zu keinen nennenswerten Störungen der protokollarischen Abläufe, viele Demonstrationen konnten stattfinden. Doch nach den Tagen des Gipfels dominieren die Eindrücke brennender Barrikaden und Plünderungen. "Wir haben schlimme Bilder gesehen von schlimmen Taten", sagt Scholz, "das bedrückt alle – mich auch".

476 verletzte Polizisten, 186 festgenommene Personen

Die nüchterne Bilanz: Rund 20.000 Polizisten waren in der Stadt, 476 von ihnen wurden verletzt, durch Glassplitter, Steinwürfe, Pyrotechnik, Zwillenkugeln. Ein Hubschrauberpilot wurde mit einem Laserpointer geblendet. Der Täter ist ermittelt, ihm droht eine Anklage wegen versuchten Totschlags. Seit Beginn des Einsatzes am 22. Juni wurden 186 Personen festgenommen, 225 in Gewahrsam genommen, 37 Haftbefehle wurden ausgestellt. Unter den Verhafteten sind 132 Deutsche, acht Franzosen und sieben Italiener.

Wie viele von denen, die nun in Obhut der Polizei sind, zu jenen gehören, die Innensenator Grote "antidemokratische Gewalttäter" nennt, ist unklar. Polizeipräsident Meyer spricht von Linksextremisten, die gut im Straßenkampf trainiert seien. Deshalb sei man ihrer oft nicht habhaft geworden.

Nun müssen sich Scholz, Grote und die Polizeiführung unangenehme Fragen gefallen lassen. Vor dem Gipfel hatten sie immer wieder von bis zu 8.000 gefährlichen Gewalttätern gewarnt. Es kamen deutlich weniger. Trotzdem entglitt die Lage. Warum?

Die Verteidigungslinie ist klar: Die Polizei habe "heldenhafte" Arbeit geleistet, sagt Scholz. Man habe auf Grundlage eines Sicherheitskonzepts agiert, das sich auf Erfahrungen der ganzen deutschen Polizei gestützt habe, sagt der Innensenator. "Das war ein gesamtdeutscher Polizeieinsatz." Auch 5.000 Polizisten mehr hätten an den Straftaten nichts ändern können. Außerdem: Die Priorität war immer, den Gipfel zu schützen, sagt Dudde. Das sei gelungen.