Bei dem Polizeieinsatz zum G20-Gipfel in Hamburg sind nach Angaben von Einsatzleiter Hartmut Dudde wesentlich mehr Polizisten verletzt worden als bislang bekannt. 592 Beamte seien zwischen Einsatzbeginn am 22. Juni und Einsatzende am 10. Juli "durch Fremdeinwirkung" verletzt worden, sagte Dudde vor dem Innenausschuss der Bürgerschaft. Bislang war von 476 verletzten Polizisten in diesem Zeitraum die Rede. Vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass in der heißen Phase des Gipfels – vom 6. bis 9. Juli – 231 Beamte verletzt wurden. 

Dudde sagte, es sei seines Erachtens "dem Zufall geschuldet, dass es keine Schwerstverletzten gab". Die gravierendsten Verletzungen seien Knochenbrüche, etwa des Handgelenks. Alle Verletzten seien inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden.

In der Spitze des Einsatzes seien mehr als 23.000 Polizisten aus allen Bundesländern beteiligt gewesen, sagte Dudde. Während des Gipfels habe die Einsatzleitung weitere Hundertschaften aus anderen Bundesländern angefordert. Der Entschluss fiel, nachdem vermummte Gewalttäter am ersten Gipfeltag vor allem durch westliche Stadtteile marschiert waren, Geschäfte beschädigt und Autos in Brand gesteckt hatten. Die von den Randalierern angerichteten Sachschäden konnte Dudde noch nicht beziffern. Es seien bislang 345 Straftaten angezeigt worden. Die Soko "Schwarzer Block" werde sicherlich zahlreiche weitere ermitteln.

Innensenator Andy Grote (SPD) sagte, die Verantwortlichen für den Polizeieinsatz würden selbstkritisch mit sich umgehen. "Niemand nimmt für sich in Anspruch, dass die ganze Zeit von allen Beteiligten nur fehlerfrei gehandelt wurde." Gleichzeitig wies der Senator die Verwendung des Begriffs Polizeigewalt im Zusammenhang mit dem Einsatz bei den Krawallen als diffamierend zurück: "Polizeigewalt unterstellt strukturelles, rechtswidriges, gewalttätiges Eingreifen der Polizei", sagte Grote.

Auch Polizeipräsident Ralf Martin Meyer verteidigte den Einsatz der Beamten. Neben dem sogenannten Schwarzen Block von Linksextremisten machte Meyer auch Schaulustige für die Eskalationen mitverantwortlich: "Trittbrettfahrer führten dazu, dass die Gewalt auf dem Schulterblatt aus dem Ruder lief und sich der Einsatz von Spezialeinsatzkräften verzögerte", sagte Meyer zu den Vorfällen in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli im Schanzenviertel. Eine hundertprozentige Sicherheit habe es trotz monatelanger Vorbereitung nicht geben können, "wenn Schadensorte nicht vorhersehbar sind und Täter in Kleingruppen vorgehen".