Die Bundesanwaltschaft hat den als maßgebliche Schlüsselfigur der radikalislamischen Szene in Deutschland geltenden Prediger Ahmad Abdulaziz Abdullah A. angeklagt. Wie die Karlsruher Behörde mitteilte, wird der 33-Jährige, der sich selbst auch Abu Walaa nennt, der Mitgliedschaft in der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) sowie der Terrorfinanzierung und der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten verdächtigt.

Abu Walaa wurde im November 2016 festgenommen. So wie seine Mitangeklagten im Alter zwischen 27 und 51 Jahren sitzt er seither in Untersuchungshaft. Über seine Anklage entscheidet nun der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts im niedersächsischen Celle. Ob und wann es zum Prozess gegen die Männer kommt, ist noch offen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem aus dem Irak stammenden A. vor, mit seinen Mitangeklagten ein "salafistisch-dschihadistisches Netzwerk" gebildet und darin als "IS-Repräsentant" in Deutschland die zentrale Rolle gespielt zu haben. A. habe "direkte Kontakte" zu IS-Führern gehabt. Ziel seiner Aktivitäten sei es gewesen, Kämpfer in IS-Gebiete in Syrien und im Irak zu bringen.

Konkret geht es in der Anklageschrift um die Schleusung von acht Dschihadisten in den Jahren 2014 und 2015, die von A. und seinem Netzwerk organisiert oder finanziert worden sein soll. Darunter waren laut Bundesanwaltschaft auch die Zwillinge Mark und Kevin K. aus Nordrhein-Westfalen, die sich bei IS-Angriffen auf die irakische Armee als Selbstmordattentäter in die Luft sprengten.

Abu Walaa sammelte als Imam der Moschee des als Islamistentreff geltenden Vereins Deutscher Islamkreis Hildesheim eine große Anhängerschaft auch aus dem Ausland um sich und galt neben Pierre Vogel und Sven Lau als einer bekanntesten Salafisten in Deutschland. Nach Angaben der Bundesanwaltschaft agierte er bundesweit als islamistischer Prediger in einschlägigen Sammelpunkten der Szene. Seine sogenannten Islamseminare hielt er demnach unter anderem auch in der Moschee des im Februar verbotenen Berliner Vereins Fussilet 33 ab. Dort soll auch Anis Amri verkehrt haben. Der Tunesier hatte im vergangenen Dezember bei einem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt zwölf Menschen getötet.

Die Vorwürfe gegen A. und seine Mitangeklagten gründen sich laut Bundesanwaltschaft unter anderem auf Aussagen einer "Vertrauensperson", die früher in "engem Kontakt" zu den Beschuldigten stand. Deren Angaben seien für die Ermittlungen von "maßgeblicher Bedeutung" gewesen. Die Identität werde geheimgehalten. A. habe die Person vor seiner Festnahme bereits als "Verräter" bezeichnet und zu ihrer Ermordung aufgerufen.