Kanzlerkandidat Martin Schulz hat in Berlin einen "Zukunftsplan für das moderne Deutschland" präsentiert. "Deutschland kann mehr", sagte Schulz bei einem Auftritt in der SPD-Parteizentrale: "Es gibt diejenigen, die auf die Zukunft warten. Wir wollen die Zukunft gestalten."

Schulz möchte ein "Chancenkonto" für jeden Arbeitnehmer mit festem Wohnsitz in Deutschland einführen. Dieses soll mit bis zu 20.000 Euro gefüllt sein, um davon Weiterbildung, Existenzgründung und Auszeiten wie Sabbaticals zu finanzieren. Das SPD-geführte Arbeitsministerium arbeitet derzeit an Vorschlägen zur konkreten Umsetzung. Auch die Union hat Ideen für Arbeitszeitkonten, von denen aber vor allem Familien profitieren sollen.  

SPD-Kandidat Schulz will außerdem eine nationale Bildungsallianz, also mehr Investitionen in öffentliche Schulen. Auch dafür müsse sich ein deutscher Kanzler Zeit nehmen und nicht nur für "rote Teppiche", sagte Schulz, was als Kritik an Merkel gemeint war. Der Gang zum Bürgeramt soll durch ein digitales "Deutschlandportal" überflüssig werden. Über eine solche Digitalisierung von Behördengängen wird schon seit Jahren gesprochen. Schulz will sie spätestens in fünf Jahren erledigt haben. Die SPD fordert außerdem eine Investitionspflicht für Deutschland. Eine SPD-geführte Bundesregierung würde nicht nur die Schuldenbremse einhalten, sondern auch Fördermittel für strukturschwache Regionen beschließen. Mit Industrie und Handwerk will Schulz außerdem eine Investitionsallianz zum Thema Digitalisierung schmieden.

Die SPD liegt in den Umfragen klar hinter der Union von Kanzlerin Angela Merkel. "Mir ist es wichtig, dass die Bürger eine echte Wahl haben", sagte der SPD-Politiker mit Blick auf die Merkel vorgeworfene Konfliktvermeidungsstrategie.

Schulterschluss mit Macron

Der SPD-Kandidat wiederholte zudem seine Ankündigung, als Kanzler die europäische Zusammenarbeit in der Flüchtlingskrise ändern zu wollen. "Das Mittelmeer wird auch in diesem Sommer zum Massengrab werden", sagte Schulz. Die Staaten könnten Italien, wo die meisten Flüchtlinge ankommen, nicht mehr allein lassen. Daher schlage er vor, den neuen EU-Haushalt als Sozialpakt zu organisieren. Unter seiner Kanzlerschaft würde sich Deutschland in der Flüchtlingskrise mehr engagieren und auch mehr Geld geben, sagte er. Weniger solidarische EU-Staaten müssten dann aber auch weniger Mittel und Subventionen aus dem EU-Haushalt bekommen.

Schulz möchte zudem einen Schulterschluss mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erreichen, den er am Donnerstag in Paris besuchen wird. "Meine Partei unterstützt mehr Investitionen in Europa, sie ist für einen europäischen Finanzminister", sagte Schulz zu entsprechenden Überlegungen Frankreichs.

Der SPD-Kandidat kündigte an, er wolle für Europa kämpfen und dabei jeden Schritt genau erklären. Es sei "ein Skandal, wenn die Bundeskanzlerin sagt: Wir haben große Dinge mit Europa vor, aber was, das sagen wir erst nach der Wahl." Schulz sagte: "Hier wird wieder einmal versucht, eine zentrale Zukunftsfrage aus dem Wahlkampf herauszuhalten."

Am Sonntagabend wird die ARD ein Sommerinterview mit Angela Merkel ausstrahlen.