Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisiert die Bundespolitik für ihren Umgang mit der Autoindustrie. Er sagte dem Spiegel, der Staat habe den Konzernen "zu viele und zu große Grauzonen" bei der Fahrzeugzulassung gelassen. Zudem sei zu wenig auf die Einhaltung von Umweltbestimmungen geachtet worden. "In manchen Punkten wird die Politik zu Recht kritisiert", sagte er.

Beim Land Niedersachsen, das zweitwichtigster Aktionär bei Volkswagen ist und zwei Aufsichtsräte stellt, sieht er im Zusammenhang mit den Manipulationen bei Dieselautos jedoch kein Verschulden. Es sei im Landesinteresse, "dass VW erfolgreich und sauber ist", sagte Weil und verwies außerdem auf die anderen Konzerne: "Da gibt es übrigens in der gesamten Autoindustrie noch eine Menge zu tun."

Weil ist durch den Abgasskandal selbst unter Druck geraten seit bekannt wurde, dass er eine Regierungserklärung dem Konzern zum Gegenlesen schickte. Kritiker werfen ihm seitdem selbst eine zu große Nähe zur Industrie vor. Allerdings bestätigten auch Vertreter der Vorgängerregierung aus CDU und FDP, dass sie sich in bestimmten Fragen mit Volkswagen abgestimmt hätten.

Zusätzlich gefährdet ist der SPD-Politiker Weil durch die für Oktober angesetzte Neuwahl. Dadurch, dass eine Grünen-Abgeordnete zur CDU übertrat, hatte seine rot-grüne Koalition im Landtag die knappe Mehrheit verloren. Eigentlich sollte in Niedersachsen erst im Januar gewählt werden.