Trotz heftiger Kritik an seiner Attacke auf Staatsministerin Aydan Özoğuz (SPD) gibt sich AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland uneinsichtig. "Nein, ich muss mich bei Frau Özoğuz nicht entschuldigen", sagte er in der ARD-Sendung hart aber fair. Auseinandersetzungen im Wahlkampf seien manchmal hart, sagte Gauland. Seine Kollegin Alice Weidel sei in einer Satire-Sendung "Nazischlampe" genannt worden. Dagegen sei "entsorgen" ein harmloses Wort.

Özoğuz, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, hatte im Mai in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel geschrieben, eine spezifisch deutsche Kultur sei, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Gauland griff diese Textstelle bei einem Wahlkampfauftritt im thüringischen Eichsfeld auf. "Das sagt eine Deutschtürkin. Ladet sie mal ins Eichsfeld ein, und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können."

Röttgen nennt Gaulands Aussage "politische Brandstiftung"

In der ARD-Sendung sagte der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, Gaulands Sprache sei "ekelhaft, menschenverachtend". Sprache könne auch als "politische Brandstiftung" wirken. Der Grünen-Poliker Jürgen Trittin sagte, neben dem Wort sei auch der Sachverhalt völlig inakzeptabel. Gauland habe Özoğuz das Bürgersein abgesprochen. "Die verbale Ausbürgerung – das geht überhaupt nicht."

Gauland gab sich unbeeindruckt und legte im Gespräch mit der Bild sogar nach. Er sprach Özoğuz eine Kenntnis des deutschen Landes ab und sagte, "wer von spezifisch deutscher Kultur nichts wissen will, gehört nicht in dieses Land".

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung, Gauland sei ein Hetzer, der "mit seinen widerlichen Äußerungen Rassismus verbreitet" und der die Gesellschaft spalten wolle. Dagegen helfe nur, am 24. September zur Wahl zu gehen.