Studien zu AfD-Anhängern und -Wählern gibt es inzwischen einige. Mit jeder weiteren konkretisiert sich das Bild vom politisch jungen und weitgehend unbekannten Wesen, des AfD-Wählers. Wähler der Alternative für Deutschland sind konservativ, sie lehnen gesellschaftliche Veränderungen stärker ab als andere – das gilt für die Gleichstellung von Frauen ebenso wie für neue Familienformen, für die Zuwanderung wie die Globalisierung. Sie applaudieren, wenn auf Demonstrationen jemand "Minuszuwanderung" ruft und skandieren "Merkel muss weg". Zudem negieren sie, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Das Forschungsinstitut YouGov hat die aktuelle Wählerschaft der sieben großen Parteien untersucht, ZEIT ONLINE stellt die Ergebnisse vor.


Die Wählerschaft der Partei ist heterogen. Die meisten AfD-Wähler sind männlich, älter als 30 Jahre, durchschnittlich gebildet, und verdienen gut. Auch die Daten von YouGov bestätigen: Die AfD-Wähler sind nicht das, was man gemeinhin "die kleinen Leute" nennt.


Einkommen der AfD-Wählerschaft


Die AfD wird vor allem von Menschen mit mittlerem bis gutem Einkommen gewählt: 38 Prozent der aktuellen AfD-Wähler verdienen 1.500 bis 3.000 Euro netto. Immerhin 25 Prozent liegen über 3.000 Euro, eben so viele kommen auf 1.500 Euro oder weniger. Auch beim Bildungshintergrund spiegelt die AfD den gehobenen Durchschnitt der Bevölkerung wider. Die meisten ihrer Wähler (44 Prozent) haben einen Realschulabschluss. Etwa ein Drittel hat Abitur oder Fachhochschulreife.

Schulabschlüsse der AfD-Wählerschaft

Für die Bundestagswahl im September sind AfD-Wählern Sicherheit und der Schutz vor Terror wichtiger als alle anderen Politikgebiete. Galt die AfD lange als Ein-Themen-Partei, erst die Euro-, dann die Flüchtlingskritik, hat die Basis noch weitere Interessen. Auch Rente und soziale Sicherheit haben unter den AfD-Wählern Priorität. Mehr als 80 Prozent finden das jeweils "sehr wichtig".

Die Zukunft der EU oder die Digitalisierung ist den AfD-Wählern dagegen weitgehend gleichgültig. Klar gespalten sind sie in der Frage nach der Integration von Ausländern: 50 Prozent finden das "wichtig/sehr wichtig", 49 Prozent "nicht sehr wichtig". In ihren wirtschafts-, sozial- und steuerpolitischen Einstellungen sind sie nahe an der CDU: So tendieren Anhänger beider Parteien etwa gleich stark dazu, dass sich der Staat aus der Wirtschaft raushalten sollte und weniger Schulden aufnehmen soll.

Einwanderung

Mit ihren Positionen zu Einwanderung, Globalisierung, Europa und Familie unterscheidet sich die AfD stark von den Wählern anderer Parteien, laut YouGov ein Alleinstellungsmerkmal. Insofern passt, dass die AfD-Anhänger sämtlichen anderen Parteien kritisch gegenüber stehen.

Dass ihre Partei sich stark von den anderen großen unterscheidet, trifft aus Sicht von 85 Prozent "eher/voll und ganz zu" – ein Rekordwert. Unter den SPD-Wählern sagen das nur 37 Prozent über ihre Partei. Bei der Frage nach der eigenen Glaubwürdigkeit liegt die AfD bei ihren Wählern mit 60 Prozent im Mittelfeld – trotz aller Grundsatzkritik und der von der Parteispitze verordneten Fundamentalopposition. Zum Vergleich: Die Linke, die sich ebenfalls bei vielen Schlüsselfragen unversöhnlich zeig, wird dadurch von den eigenen Wählern als wesentlich glaubwürdiger eingestuft, 74 Prozent der Linken-Wähler finden die Linke "eher/voll und ganz" glaubwürdig. 

Ein weiteres verbreitetes Gefühl unter AfD-Wählern ist, dass die Partei sich für den Bürger einsetze. 68 Prozent meinen, das sei der Fall. Eher schlechte Noten geben AfD-Wähler ihrer Partei bei den Fragen, ob die AfD öffentlich wahrgenommen werde und sich durchsetzen könne. Dass die AfD fähige Politiker habe, finden nur 44 Prozent der AfD-Anhänger, 38 Prozent meinen, das treffe nicht oder überhaupt nicht zu. Das ist ein deutliches Misstrauen gegen die Parteiführung.

Mehr Europa?

Insgesamt vermag die AfD Wähler aus verschiedenen Milieus zu mobilisieren. Wie schon bei den vergangenen Landtagswahlen zeigt sich auch in der YouGov-Auswertung: Ein Viertel der aktuellen AfD-Wähler war bisher gar nicht zu Wahlen gegangen. Ein weiteres Viertel kommt von der Union.  

Obwohl die AfD zur Mobilisierung stark auf Facebook setzt und dort in Echokammern die eigenen Leute stärker anspricht als über die klassischen Medien, spielen soziale Medien beim AfD-Wähler keine nennenswert größere Rolle als für andere Wähler. Fernsehen, Radio, Zeitungen rangieren vor Onlineausgaben und News-Apps. Lediglich Nachrichtenwebsites ohne Zeitung im Hintergrund und unabhängige Blogs nutzen AfD-Wähler stärker als Wähler anderer Parteien.   

AfD-Wähler eint, dass sie sich stärker als andere Wähler nicht von der Politik vertreten fühlen. Sie beurteilen andere Parteien durchweg als negativ und beklagen, dass die großen Parteien nicht mehr voneinander unterscheidbar seien. Das finden immerhin fast zwei Drittel der AfD-Anhänger. Zudem sind sie deutlich pessimistischer als die Wähler der übrigen Parteien: Das Land geht vor die Hunde, dieser Aussage stimmten 78 Prozent der AfD-Wähler zu. Unter den übrigen Wählern waren es nur 39 Prozent.

Die Ergebnisse unserer Wähleranatomie stützen sich auf zwei Samples des Umfrageinstituts YouGov: In der Datenbank des Instituts sind 12.076 Wähler, ausgewertet wurde im Zeitraum von Februar 2017 bis Mai 2017. Speziell für diese Studie wurde ergänzend eine Online-Umfrage vom 13. bis 19 Juni durchgeführt.