Der AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat seine umstrittenen Äußerungen über die Integrationsbeauftragte des Bundes, Aydan Özoğuz (SPD), zunächst bekräftigen lassen. Gauland hatte auf einer Wahlkampfveranstaltung von einer "Entsorgung" Özoğuz' gesprochen. Ein Mitarbeiter des AfD-Politikers sagte der Deutschen Presse-Agentur, der Satz sei so gefallen, "und da steht er auch zu". Gauland selbst hatte dem Tagesspiegel zunächst gesagt, er könne sich nicht erinnern, ob er den Begriff "entsorgen" gebraucht habe. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters räumte er jedoch später ein: "Das war wohl etwas zu hart."

In seiner Rede auf einer Wahlkampfveranstaltung in Thüringen hatte Gauland laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge über Özoğuz gesagt: "Ladet sie mal ins Eichsfeld ein und sagt ihr dann, was spezifisch deutsche Kultur ist. Danach kommt sie hier nie wieder her, und wir werden sie dann auch, Gott sei dank, in Anatolien entsorgen können." Die SPD-Politikerin hatte im Mai gesagt, eine spezifisch deutsche Kultur sei, jenseits der Sprache, nicht zu identifizieren. Özoğuz, die auch SPD-Vizevorsitzende ist, wollte Gaulands Äußerungen nicht kommentieren.

Unterstützung erhielt Gauland von seiner Parteikollegin Alice Weidel. "Wenn Herr Gauland dann sehr plakativ eben sagt, dass die Dame nicht in ihr Amt gehört und vielleicht besser in die Türkei, dann muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen, dann kann ich das einfach nur unterschreiben", sagte Weidel im ZDF-Morgenmagazin.  

Zugleich relativierte Weidel die Wortwahl Gaulands. Diese sei "Geschmackssache", sie würde sie nicht wählen. Die Aussage von Özoğuz gab sie in der Sendung falsch wieder: "Frau Özoğuz ist eine Person, die tatsächlich mit ihren Äußerungen als Integrationsministerin, dass es angeblich keine deutsche Kultur und Sprache (...), komplett ungeeignet als Integrationsministerin." Die Parteivorsitzende Frauke Petry distanzierte sich deutlicher von Gaulands Wortwahl. Im demokratischen Deutschland würden Träger seltsamer Meinungen "keinesfalls 'entsorgt'", teilte sie mit. Zugleich nannte Petry die Integrationsbeauftragte untragbar.

Kritik an Gauland

Gaulands Äußerungen waren stark kritisiert worden. Ein Sprecher von Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sagte, Gaulands Äußerungen ließen"jeden Anstand und Respekt gegenüber Andersdenkenden vermissen und wecken überall auf der Welt die schlimmste Erinnerungen an unser Land". Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, Gaulands Äußerungen disqualifizierten sich von selbst, da Özoğuz aus Hamburg stamme.  SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz schrieb auf Twitter: "Die Entgleisung von Gauland gegenüber Özoğuz ist widerlich. Wir müssen alles dafür tun, dass solche Rassisten nicht in den Bundestag kommen!" Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, bezeichnete Gauland als "miesen, dreckigen Hetzer". CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte: "Die Äußerung von Herrn Gauland ist schlicht eins – rassistisch."

Als Hintergrund von Gaulands Äußerungen vermuten Beobachter den Bundestagswahlkampf. Die AfD ist, nachdem sie im vergangenen Jahr in Umfragen noch auf 15 Prozent kam, mittlerweile auf unter zehn Prozent gesunken. In der Vergangenheit hatten AfD-Politiker wiederholt umstrittene Äußerungen getätigt, um diese hinterher zu relativieren.