In Interviews mit zwei Sonntagszeitungen hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die AfD und die Kritik an ihrer Flüchtlingspolitik geäußert. Merkel schloss eine Zusammenarbeit der Union mit der AfD im neuen Bundestag aus. Der Welt am Sonntag sagte sie, "dass die AfD für uns kein Partner für irgendeine Form der Zusammenarbeit sein kann". Vielmehr müsse die Union versuchen, jeden einzelnen AfD-Wähler zurückzugewinnen. "Das erfordert Geduld mit den Sorgen der Menschen und den Versuch, sie immer wieder mit konkreten Lösungen für konkrete Probleme anzusprechen", sagte Merkel.

Im Landtag von Sachsen-Anhalt hatte die Mehrheit der CDU-Fraktion letzte Woche für einen Antrag der AfD gestimmt, der eine Enquete-Kommission zur Untersuchung von Linksextremismus auf den Weg bringen will. Aus den anderen Parteien kam Kritik an der Zustimmung von Teilen der CDU für einen AfD-Antrag.

Auf die Frage der Zeitung, wie sie sich fühle, wenn sie auf Marktplätzen von wütenden Bürgern angeschrien werde, antwortete die Kanzlerin, dass sich in einer Demokratie jeder nach eigenem Gutdünken darstellen dürfe. "Es ist wichtig, dass wir nicht ganze Orte meiden, weil es dort Schreihälse gibt", so Merkel.

In einem weiteren Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung wies Merkel zudem den auf ihre Flüchtlingspolitik bezogenen Vorwurf zurück, den konservativen Flügel der Union vernachlässigt und der AfD zu viel Raum gegeben zu haben. Deutschland habe im Jahr 2015 Hunderttausenden Menschen in einer großen humanitären Notlage geholfen. "Ich bin damals wie heute davon überzeugt, dass das richtig war und dass unser Land sich von einer sehr guten Seite gezeigt hat", sagte sie.

Wahlausgang sei noch absolut offen

Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte Merkel zudem, dass der Wahlausgang noch absolut offen sei. Man könne gerade in diesen Tagen Umfragen lesen, wonach sich 46 Prozent der Menschen noch nicht entschieden hätten, sagte Merkel. Auch die jüngsten Landtagswahlen seien knapp ausgegangen.

Im Bundestagswahlkampf geht es nach Darstellung der CDU-Vorsitzenden stärker als je zuvor um die Frage, ob Deutschland rot-rot-grün regiert werden soll. Obwohl alle Umfragen dafür derzeit keine Mehrheit sehen, sagte die Kanzlerin, der Wahlkampf sei anders als vorangegangene, "weil für jeden klarer denn je ist, dass die SPD jederzeit eine rot-rot-grüne Mehrheit nutzen würde, falls diese rechnerisch möglich wäre", sagte Merkel in der Welt am Sonntag.

Verbrennungsmotoren als Brückentechnologie

Merkel äußerte sich auch zur Dieselaffäre. Demnach wolle die Kanzlerin Anfang September mit Städten über die hohe Schadstoffbelastung durch den Autoverkehr diskutieren. "Für den 4. September habe ich die Kommunen, die am stärksten von den zu hohen Stickstoffwerten betroffen sind, zu einem Gipfel ins Kanzleramt eingeladen", sagte Merkel.

Verbrennungsmotoren bezeichnete die Kanzlerin erneut als Brückentechnologie. "Ich kann heute keinen Zeitpunkt nennen, bis zu dem diese Brücke noch gebraucht wird, aber bis zur Mitte des Jahrhunderts müssen wir in jedem Fall sehr viel weniger CO2 emittieren als heute." Die Dieselautos würden gebraucht, um die Vorgaben Deutschlands beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) in den nächsten Jahren zu erfüllen. "Wir müssen aber daran arbeiten, den Diesel ärmer an Stickoxid-Emissionen zu machen", sagte Merkel. Sie wolle, dass die deutsche Automobilindustrie den Weg in die Zukunft finde. "Ich bin bereit, diesen Weg staatlich zu flankieren."

Merkel begrüßt Rückkehr zu Guttenbergs

Merkel wies außerdem jegliche Kritik an der Nebentätigkeit von Kanzleramtsmitarbeitern im CDU-Wahlkampf zurück: "Uns ging und geht es auch in diesem Wahlkampf um eine klare Trennung von beruflicher Tätigkeit im Bundeskanzleramt und Tätigkeit für die CDU. Das Instrument der angezeigten und genehmigten Nebentätigkeit sorgt hierbei für die notwendige Transparenz", sagte Merkel in der Welt am Sonntag. "Wir begrüßen die vom Bundesrechnungshof angekündigte Prüfung."

Darüber hinaus begrüßte die Bundeskanzlerin die Rückkehr des vor sechs Jahren wegen einer plagiierten Doktorarbeit zurückgetretenen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf die politische Bühne in Deutschland. "Ich freue mich, dass Karl-Theodor zu Guttenberg im Bundestagswahlkampf einige Veranstaltungen macht", wird Merkel in der Neuen Osnabrücker Zeitung zitiert. Sie stehe mit Guttenberg in einem "guten Kontakt". Allerdings wisse sie nicht, "was er sich selbst für seine Zukunft vorstellt".