Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) schließt eine große Koalition nach der Bundestagswahl nicht kategorisch aus. "Weder die CDU/CSU noch wir möchten eine Fortsetzung der großen Koalition. Am Ende entscheiden Wählerinnen und Wähler, das ist auch ganz gut so in einer Demokratie", sagte der SPD-Politiker in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.

Anfang August hatte sich Gabriel noch deutlicher von der großen Koalition distanziert. Nationalkonservative in der Union wie der CDU-Politiker Jens Spahn wollten "den Rüstungsetat auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts anheben und dafür die Sozialausgaben kürzen", sagte Gabriel dem Stern damals. "Das ist mit der SPD nicht zu machen. Deshalb werden wir uns trennen." Viele Beobachter verstanden damals, der Vizekanzler habe die große Koalition auf jeden Fall beenden wollen.

Im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur drückte sich Gabriel vorsichtiger aus: Große Koalitionen seien für Volksparteien wie der Union aus CDU und CSU sowie der SPD "keine Wunschkonstellationen" und würden auf Dauer eher die Ränder stärken. Es gebe zwischen Union und SPD außerdem Differenzen in wichtigen Zukunftsfragen, "von denen ich mir schwer vorstellen kann, dass sie überwunden werden können", sagte Gabriel. Dazu gehörten die Rüstungs-, Renten- und Gesundheitspolitik.

Die Differenzen lägen weniger an Bundeskanzlerin Angela Merkel, sondern vor allem an ihrer Partei. "Wenn wir auf sie aufgepasst haben, dann war sie auch eine gute Kanzlerin", sagte Gabriel. "Allerdings haben wir eben auch gemerkt, wie schwierig das ist in ihrer eigenen Partei." Viele Themen seien liegen geblieben, weil Merkel auf Widerstand in der Union getroffen sei.     

Andere Politiker der SPD hatten eine Neuauflage der großen Koalition nach der Bundestagswahl im Herbst abgelehnt, darunter der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann und SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. "Eine große Koalition darf keine Dauereinrichtung sein. Demokratie lebt vom Wechsel, wir wollen ins Kanzleramt", hatte Oppermann im Januar den Zeitungen der Funke Mediengruppe gesagt. Laut Barley wolle niemand in der SPD die "Fortführung der großen Koalition".