Eine Mehrheit der Deutschen rechnet damit, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im TV-Duell mit SPD-Kandidat Martin Schulz am Sonntag besser abschneiden wird. Beim ARD-Deutschlandtrend schätzten 64 Prozent der Befragten, dass Merkel die bessere Figur machen werde. Herausforderer Schulz räumten nur 17 Prozent bessere Chancen ein.

Damit liegt Schulz deutlich hinter den Umfragewerten des letzten SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück vor dem damaligen TV-Duell. Vor vier Jahren rechneten im Deutschlandtrend 26 Prozent der Befragten damit, dass Steinbrück besser abschneiden würde als Merkel. 48 Prozent gaben Merkel bessere Chancen.

Beide Kandidaten haben laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap seit Anfang des Monats an Zustimmung verloren. Wenn sie den Kanzler oder die Kanzlerin direkt wählen könnten, würden 49 Prozent der Befragten für Merkel stimmen. Das sind drei Prozentpunkte weniger als bei der Umfrage Anfang August. Für Schulz würden sich 26 Prozent entscheiden – ein Minus von vier Prozentpunkten. Der Anteil der Befragten, die keinen der beiden Kandidaten wählen würden, stieg um vier Prozentpunkte auf 18 Prozent.

In der Sonntagsfrage büßte die Union laut Deutschlandtrend einen Prozentpunkt ein. Mit 37 Prozent bleibt sie aber deutlich stärkste Kraft. Die SPD machte einen Prozentpunkt gut und liegt bei 23 Prozent. Die Linken und Grünen bleiben bei neun beziehungsweise acht Prozent. Die FDP verliert einen Punkt im Vergleich zur Vorwoche und kommt ebenfalls auf acht Prozent. Die AfD gewann im Vergleich zur Vorwoche einen Punkt dazu und würde mit elf Prozent als drittstärkste Kraft in den Bundestag einziehen.

Infratest dimap fragte auch nach den bevorzugten Koalitionen der Wähler. 44 Prozent der Befragten sehen eine Fortsetzung der großen Koalition aus CDU/CSU und SPD als eine sehr gute oder gute Zusammensetzung für die künftige Bundesregierung. Eine schwarz-gelbe Regierung kommt auf 43 Prozent, Schwarz-Grün halten 32 Prozent für gut oder sehr gut. Eine Jamaikakoalition aus Union, Grünen und der FDP halten 27 Prozent für eine sehr gute oder gute Koalition. Rot-Rot-Grün steht bei 27 Prozent.

Rund 61 Prozent der Befragten fänden es gut, wenn die FDP wieder im Bundestag vertreten wäre. 60 Prozent stimmten der Aussage zu, dass der FDP mit Christian Linder der Neuanfang gelungen sei. 57 Prozent sagten dagegen, die FDP habe außer Lindner kein überzeugendes  Führungspersonal.

Zu den Grünen sagten 49 Prozent der Befragten, dass sich die Partei um Themen kümmere, die andere Parteien vernachlässigten. 34 Prozent stimmten der Aussage zu, dass die Grünen eine Partei für Leute sei, denen es gut gehe. Dass die Partei viel zu autofeindlich sei, sagten 34 Prozent.

Die Fragen zu Koalitionswünschen, der FDP und den Grünen stellte Infratest dimap von Montag bis Mittwoch an 1.013 Wahlberechtigte.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (z.B. Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transpararenzblog Glashaus.