Interpol hat die Suchanfrage der Türkei gegen den deutsch-türkischen Schriftsteller Doğan Akhanlı aufgehoben. Das Auswärtige Amt bestätigte entsprechende Medienberichte. "Wir freuen uns, dass Interpol die Red Notice gegen Doghan Akhanli gelöscht hat", hieß es aus Amt. Wie Spiegel Online berichtet, entfalle damit nach Einschätzung von Diplomaten die Rechtsgrundlage dafrür, dass Akhanlı Spanien nicht verlassen dürfe. Akhanlıs Anwalt hingegen rechnet nicht damit, dass durch die Entscheidung eine schnelle Rückkehr nach Deutschland möglich wird. Zur ARD sagte er, der Haftbefehl der Türkei bleibe bestehen.

Akhanlı war am Wochenende im Urlaub in Spanien festgenommen worden – die türkische Regierung hatte einen Dringlichkeitsvermerk bei Interpol eingereicht. Spanische Behörden waren dem nachgekommen. Nach einer Intervention des Auswärtigen Amtes war der türkischstämmige Autor, der 1991 nach Deutschland geflohen war, zwar wieder frei. Er durfte sich aber seitdem nur unter Auflagen in Spanien bewegen. Eine Rückkehr nach Deutschland war bislang nicht möglich.

Die Festnahme auf Betreiben der Türkei hatte die Beziehungen zu Deutschland weiter belastet. In einem Interview kritisierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Türkei missbrauche Interpol. Ähnlich äußerte sich CSU-Chef Horst Seehofer. Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) kritisierte das Vorgehen der Türkei.