Handydaten von Asylbewerbern sollen im Zuge des Asylverfahrens gesichert, aber nur im Bedarfsfall als letztes Mittel genutzt werden. Die Chefin des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Jutta Cordt, verteidigte die umstrittene Auswertung der Mobiltelefone gegen Kritik. Sobald die Asylbewerber das erste Mal Kontakt mit dem Bamf haben, würden ihre Telefone ausgelesen werden, sagte sie. Dann würden die Daten in einer Art technischem Safe gespeichert. Erst wenn in der Anhörung des Bewerbers klar werde, dass die Daten gebraucht werden, müsste ein Volljurist sie freigeben.

Das Amt will ab September bundesweit die Daten von Handys nutzen, um die Identität von Asylbewerbern zu überprüfen. Das wurde unter anderem als Eingriff in die Grundrechte kritisiert. Die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff hatte bezweifelt, dass dieses Verfahren verfassungsgemäß sei. Auf den Mobiltelefonen der Asylbewerber lägen eine Fülle teils höchst persönlicher Daten. Auch unbeteiligte Kontaktpersonen würden durch die Auswertung erfasst, bis hin zu Rechtsanwälten. Außerdem ließen sich höchstens Indizien sammeln, hatte Voßhoff gesagt. Auch der Kölner Strafrechtsexperte Nikolaos Gazeas hielt das für "absolut unverhältnismäßig und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar". Solche Auswertungen seien nur bei dem Verdacht schwerer Straftaten zulässig.

Laut Bamf-Chefin Cordt sollen die Handydaten nur als "Ultima Ratio" genutzt werden, wenn es Zweifel an der Identität gebe, die nicht anders beseitigt werden könnten. "Es ist ein zusätzliches System, eine Unterstützung für unsere Entscheider, um in der Anhörung noch gezielter nachfragen zu können und letztendlich auch sicherer zu entscheiden", sagte Cordt. Es gebe weitere neue Prüftechniken, die bei der Antragstellung Standard werden sollen, zum Beispiel die einheitliche Namensübersetzung und die Sprachprobe. 

Beide Methoden zeigen, wie wahrscheinlich es ist, dass ein Antragsteller aus der von ihm angegebenen Region kommt. "Wenn ich mir deren Ergebnis zusammen mit der Fluchtgeschichte anschaue, kann das in vielen Fällen definitiv ausreichen. Dann braucht man die Handydaten gar nicht", sagte Cordt. Nach Schätzungen des Bamf kommen etwa 60 Prozent der Asylbewerber in Deutschland ohne Identitätsdokumente an.