SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat sich von den Ambitionen seines Parteifreundes Gerhard Schröder auf einen Aufsichtsratsposten beim russischen Ölkonzern Rosneft distanziert. "Ich würde das nicht tun", schrieb er in einem Facebookpost. "Für mich ist klar: Auch nach meiner Zeit als Bundeskanzler werde ich keine Jobs in der Privatwirtschaft annehmen."

Die Entscheidung für einen solchen Posten sei Schröders Privatsache und habe mit der Politik der SPD nichts zu tun, sagte Schulz. "Gerd Schröder ist erfahren genug, zu wissen, welche Angebote er annimmt."

Der frühere SPD-Kanzler Schröder steht zusammen mit mehreren Kandidaten auf einer Liste für den Posten eines "unabhängigen Direktors" beim Staatskonzern Rosneft. Dessen Chef Igor Setschin gilt als enger Vertrauter des Präsidenten Wladimir Putin, zu dem auch Schröder freundschaftliche Beziehungen pflegt. Die Nominierung Schröders wurde in Deutschland kritisiert.

Schröder wirft Medien Wahlkampfhilfe für Merkel vor

Schröder kritisierte wiederum die Berichterstattung über seine Person. "Ich habe den Eindruck, das hat weniger mit meiner Tätigkeit zu tun als vielmehr mit dem Wahlkampf. Hier soll offenbar Frau Merkel geholfen werden", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.  

Die Wahl zum Rosneft-Aufsichtsrat ist russischen Medienberichten zufolge für den 29. September geplant. Falls er gewählt würde, erhielte er "weniger als 600.000 Euro pro Jahr", wie Schröder in dem Interview weiter sagte. Das Ölunternehmen steht nach der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 auf der Sanktionsliste der EU. Der Konzern war mit einer Klage gegen die Sanktionen gescheitert. Der Europäische Gerichtshof hatte sie ebenfalls für rechtmäßig erklärt.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker hatte gewarnt, wenn es Rosnefts neue Strategie sein sollte, "nach dem Scheitern seiner juristischen Mittel gegen die EU-Sanktionen auf Schröders Kontakte zu setzen, um sich der Sanktionen zu entledigen, so wäre dies höchst problematisch und eine Staatsaffäre".

Schröder ist seit dem Ende seiner Kanzlerschaft 2005 Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream, an dem wiederum der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält.