SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat CSU-Chef Horst Seehofer in der Flüchtlingspolitik unangemessene Taktiererei vorgeworfen. "Horst Seehofer spielt taktisch mit Themen und dadurch mit Menschen. Aber Politik ist kein Spiel, sondern eine Frage der Haltung", schrieb Schulz auf Twitter.

Seehofer hatte zuvor mit Aussagen zu seiner Forderung nach einer Obergrenze für den Zuzug von Flüchtlingen Verwirrung ausgelöst. In einem Interview mit der ARD nannte er die Obergrenze nicht mehr ausdrücklich als Bedingung für eine Koalition nach der Bundestagswahl. "Die Situation hat sich verändert, der Kurs in Berlin hat sich verändert", sagte der bayerische Ministerpräsident. "Wir haben jetzt deutlich weniger Zuwanderung als zu dem Zeitpunkt, wo ich dieses Zitat gebracht hatte." 

Später sagte Seehofer, er halte an der Forderung nach einer Obergrenze fest. "Wenn anstelle der 'Obergrenze' 'Kontingent' steht, das ist nicht mein Problem."

Merkel gegen Obergrenze

Kurz vor Weihnachten 2016 hatte Seehofer gesagt: "Es wird eine Regierungsbeteiligung der CSU ohne eine Obergrenze von 200.000 für die Bundesrepublik Deutschland bei der Zuwanderung nicht geben." Hintergrund war der starke Flüchtlingszuzug im Herbst 2015. CDU-Chefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Obergrenze allerdings ab.

Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte das Auftreten des bayerischen Ministerpräsidenten. "Seehofer bleibt sich treu: Bei ihm weiß der Wähler nicht, woran er ist und wofür er und seine Partei noch stehen", sagte er der Rheinischen Post. Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt schrieb auf Twitter: "Na, wohin will er denn nun? #Drehhofer".