Der frühere SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck rät seiner Partei, sich in Zukunft weniger an neuen Hoffnungsträgern zu berauschen und sich stattdessen an der CDU zu orientieren. "Angela Merkel ist eine Meisterin im Vermeiden von Euphorie. Denn sie weiß, dass dieser antieuphorische Politikstil länger trägt", sagte Platzeck der ZEIT. Die SPD sei eine Partei der Hoffnung. "Wir sind aber auch skrupulöser und muten uns viel mehr Selbstzweifel zu als die anderen."

In der aktuellen ZEIT sprechen frühere SPD-Vorsitzende über ihre Erfahrungen an der Parteispitze. So auch Platzecks Vorgänger Franz Müntefering: "Es gibt bei Sozialdemokraten und Sozialisten die Haltung, dass die Partei alles sei. Dass man mit einem ellenlangen Programm und aus dem Parteipräsidium heraus die Politik gestalten kann. Das ist ein Irrglaube."

Der ehemalige Parteichef und rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck sagt über die SPD: In der Parteizentrale werde heute nicht mehr intrigiert, "nachdem wir als Partei mehrmals in den Abgrund geblickt haben".

Die Sozialdemokraten sind in Umfragen zuletzt wieder auf die Werte vor der Ernennung von Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten zurückgefallen. In der Wählergunst liegt teilweise wieder der frühere Parteichef Sigmar Gabriel vor Schulz.