AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat einen Schlussstrich unter die Nazivergangenheit Deutschlands gefordert. Es sei auch notwendig, die Taten deutscher Soldaten in beiden Weltkriegen neu zu bewerten. In einer bislang wenig beachteten Rede vor Anhängern hatte Gauland am 2. September bei einem Kyffhäusertreffen der AfD in Thüringen gesagt, kein anderes Volk habe "so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche".

Mit Blick auf die NS-Zeit von 1933 bis 1945 fügte Gauland hinzu: "Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Deshalb haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen."

Gauland sagte weiter, wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, "haben wir das Recht, stolz zu sein auf Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen". Das Internet-Portal BuzzFeed hatte zuerst über die Rede berichtet.

Der Zweite Weltkrieg hatte am 1. September 1939 mit dem Überfall Nazideutschlands auf Polen begonnen und endete in Europa am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht. Die Zahl der Kriegsopfer wird von Historikern auf weltweit 60 bis 70 Millionen geschätzt.

Ermittlungen wegen Volksverhetzung

Der AfD wird von Kritikern seit Längerem eine mangelnde Abgrenzung zu rechtsextremistischen Gruppierungen vorgeworfen. Gauland gilt als Exponent des nationalkonservativen Flügels der Partei. Gegen ihn hatte Ex-Bundesrichter und Ex-ZEIT-Kolumnist Thomas Fischer Ende August Anzeige wegen Volksverhetzung gestellt, die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt. Der AfD-Politiker hatte über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), gesagt, sie könne in Anatolien "entsorgt" werden.

In diesem Jahr machte auch Gaulands Parteikollege Björn Höcke Schlagzeilen, als er im Januar bei einer Rede in Dresden sagte, das Holocaust-Mahnmal in Berlin sei "ein Denkmal der Schande". Er forderte damals: "Wir brauchen eine Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zu allererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt." Ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke wurde beantragt, ist aber im AfD-Parteivorstand umstritten. Vor wenigen Tagen erinnerte der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner daran, dass Höcke nicht "in einer untergeordneten Hilfsreferentenposition" sei, sondern Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag. Stegner nannte Höcke in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen einen Nazi.