Zwei Wochen vor der Bundestagswahl attackieren SPD-Politiker die Alternative für Deutschland – für ihr Programm und einzelne Aussagen ihrer Vertreter. So sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD, Ralf Stegner, in einem Interview mit dem Mannheimer Morgen, der AfD-Politiker Björn Höcke sei ein Nazi. Stegner erinnerte daran, dass Höcke in der AfD keineswegs nur in einer untergeordneter Hilfsreferentenposition sei, sondern Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag.

Auch Außenminister Sigmar Gabriel warf der AfD vor, Nazis in ihren Reihen zu dulden. AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland sei bestimmt kein Nazi, "aber er duldet Nazis in seiner Partei", sagte Gabriel in einem Handelsblatt-Interview. In der letzten Sitzungswoche des Bundestages sei er wehmütig und traurig gewesen, sagte Gabriel. Nicht, weil die Legislaturperiode zu Ende sei. "Sondern weil ich wusste, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass, wenn ich wieder in den Bundestag komme, zum ersten Mal nach 1945 im Reichstag am Rednerpult echte Nazis stehen."

Er gehöre nicht zu denen, die AfD-Wähler mit der Begründung entschuldigten, man müsse sich mal Luft machen, betonte Gabriel. "Nazis zu wählen, dafür gibt es keine Entschuldigung."

Gröhe spricht von "rechtspopulistischen Bratzen"

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe verurteilte die Pöbeleien von AfD-Anhängern bei Wahlkampfauftritten von Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU). "Die Gesichter von AfDlern, die Angela Merkel als Volksverräterin beschimpfen, müssen dem letzten klarmachen: Das sind weiß Gott keine Wertkonservativen. Das sind rechtspopulistische Bratzen, die Hass verbreiten", sagte Gröhe der Rheinischen Post. "Das erschüttert mich." Bei Wahlkampfauftritten Merkels war es zuletzt zu Störaktionen gekommen

Schon zuvor hatte eine E-Mail mit rassistischem Äußerungen, die von der AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel stammen soll, Kritik bei Union und SPD ausgelöst. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte: "Das sind Rechtsradikale und die gehören nicht ins Parlament."

Auch Stegner hatte sich in der Welt zu Weidel geäußert: "Wer rassistische und demokratieverachtende Mails schreibt, gehört nicht in den Deutschen Bundestag." CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte: "Hinter der pseudobürgerlichen Fassade von Frau Weidel verbirgt sich die erschreckende Ideologie einer Reichsbürgerin."

Justizminister Heiko Maas (SPD) hatte in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Rundschau das Wahlprogramm der AfD kritisiert. Er sagte, Teile des Programms würden gegen das Grundgesetz verstoßen. Außerdem warnte der Justizminister im Deutschlandfunk vor einer Blockade der AfD. 

Er sagte, wenn die AfD bei nach der Wahl am 24. September ins Parlament einziehe, sei das Ausdruck des Wählerwillens. "Dann ist das ein Teil unserer politischen und gesellschaftlichen Realität und dann habe ich das zu akzeptieren", sagte Maas.