Politiker von Union und SPD sehen nach den Rassismusvorwürfen gegen AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel keinen Platz für die Partei im Bundestag. Die AfD wies die in der Welt am Sonntag Weidel zugeschriebene E-Mail mit rassistischen und fremdenfeindlichen Äußerungen als Falschmeldung zurück und sprach von einer Kampagne. 

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet nannte die Äußerungen, die von Weidel stammen sollen, einen Skandal und forderte: "Das sind Rechtsradikale und die gehören nicht ins Parlament." Der stellvertretende SPD-Chef Ralf Stegner sagte der Zeitung Die Welt: "Wer rassistische und demokratieverachtende Mails schreibt, gehört nicht in den Deutschen Bundestag." CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sagte: "Hinter der pseudobürgerlichen Fassade von Frau Weidel verbirgt sich die erschreckende Ideologie einer Reichsbürgerin."

In der E-Mail, die Weidel bereits 2013 verfasst haben soll, hieß es laut Welt am Sonntag in Originalschreibweise: "Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden." In dem Schreiben werde auch die Bundesregierung beschimpft: "Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK und haben die Aufgabe, das dt Volk klein zu halten indem molekulare Buergerkriege in den Ballungszentren durch Ueberfremdung induziert werden sollen."  2013 gründete sich die AfD, Weidel war damals kein Mitglied.

"Das werden Sie sehen, was wir tun werden"

Weidel bestreitet laut Welt am Sonntag, dass die E-Mail von ihr stamme. Eine weitere Stellungnahme lehnte sie ab. Am Sonntagabend sagte sie in einem Online übertragenen Video-Wahlchat, sie habe zu dem Thema "auch durch ihren Sprecher alles gesagt". Sie werde diese "plumpe Kampagne" nicht auch noch befeuern. Der Zeitung zufolge sagte Weidel auf die Frage, ob sie eidesstattlich versichern würde, dass die Mail nicht von ihr stamme: "Das werden Sie sehen, was wir tun werden." Den Fälschungsvorwurf des AfD-Pressesprechers Christian Lüth wiederholte Weidel nicht, er hatte den Zeitungsbericht als "Fakenews" bezeichnet. Weidel habe ihm gegenüber versichert, dass die E-Mail nicht von ihr stamme, sagte er. Auf Twitter oder Facebook äußerte Weidel sich selbst nicht zu dem Thema.

Der Co-AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland wertete den Bericht als "erbärmliche Kampagne". "Es ist der üble Versuch, die AfD um jeden Preis aus dem Bundestag zu halten", teilte er mit. "Das ist der niederträchtige Versuch, das schöne Gesicht von Alice Weidel zu zerkratzen", so Gauland. Die E-Mail passe nicht zu ihr und ihrer Sprache.

Die Welt am Sonntag hatte berichtet, dass eine eidesstattliche Versicherung belege, dass das Schreiben von der Politikerin stamme. Demnach versichert der namentlich nicht genannte Empfänger der E-Mail, dass der Absender Weidel sei. In dem Bericht ist zu dem von weiteren Hinweisen auf ihre Urheberschaft die Rede, "aus dem ehemaligen Bekanntenkreis von Alice Weidel in Frankfurt am Main". Die Mail ist mit dem Spitznamen "Lille" unterzeichnet, der Weidel zugeschrieben wird.