Auf ihrer langen Wahlkampftour, die Angela Merkel quer durch Deutschland führt, gibt es auch Orte wie Trier. 2.500 Menschen haben sich dort am vergangenen Freitag vor der eindrucksvollen Kulisse der Porta Nigra versammelt, einem gewaltigen Stadttor aus der Römerzeit. Das sind immerhin 1.000 mehr, als Mitte August am selben Ort zu ihrem Herausforderer Martin Schulz gekommen waren. Eine Band spielt Que será, será, es wird ein bisschen geschunkelt. Die Junge Union verteilt Winkelemente. Sie sind schwarz-rot-golden. Darauf steht meistens einfach "Angela Merkel", sonst nichts.

Am Rande der Veranstaltung stehen einige ältere Herren in Lodenmantel oder beiger Windjacke. Sie haben ebenfalls Schilder dabei. Auf denen ist eine junge Frau mit schwarzem Kurzhaarschnitt und einem Baby auf dem Arm zu sehen: Frauke Petry von der AfD. Die meisten Protestierer haben keine Trillerpfeifen dabei. Hier – im tiefsten Westen der Republik – ist die AfD im Wesentlichen eine Partei enttäuschter Ex-CDU-Mitglieder, die bei allem Ärger über Merkel Wert auf bürgerliche Umgangsformen legen.

Anderswo ging es nicht so zivil zu: Als Merkel Ende August in der Stadt Brandenburg auftritt, begleitet ein schrilles Pfeifkonzert ihre Rede. "Hau ab, hau ab" und "Volksverräterin" schrillt es über den Neustädtischen Markt mit seiner bunten Altbaufassade. "Nicht meine Kanzlerin" steht auf den Plakaten oder auch "Politiker haften für ihre Flüchtlinge". Merkel spult trotzdem ihren üblichen Redetext ab: ein bisschen Steuersenkungen, ein bisschen Familienpolitik, ein bisschen Digitalisierung. Doch man merkt: Leicht fällt ihr das nicht.

Ein Roboter schreibt Zukunftsideen auf

Ähnliche Szenen spielen sich auch in Bitterfeld, Torgau, Finsterwalde und anderswo ab. Gelegentlich fliegen auch mal Tomaten. Die Krawallmacher sind im Verhältnis zu allen Zuhörern überall nur eine kleine Minderheit, oft werden sie von AfD und NPD gezielt mobilisiert. Es gibt sie auch im Westen, doch im Osten fallen die Proteste massiver aus. Dieser Eindruck könne aber auch damit zu tun haben, dass die Veranstaltungen dort kleiner seien, heißt es in der CDU. Bei 1.500 Zuhörern fielen 100 Störer eben stärker ins Gewicht als bei 4.000 oder 5.000.

Das Neue an diesen Störaktionen ist für Merkel und die CDU aber nicht nur ihre Dimension. Es ist auch die Tatsache, dass der heftigste Widerstand nun nicht mehr – wie früher – von links, sondern von rechts kommt. Sehr weit weg erscheinen die Zeiten als – wie 2009 – Flashmobs mit Oh-Yeah-Rufen die schlimmsten Störer auf Merkels Veranstaltungen waren.

Trotzdem kann Merkel mit dem Verlauf des Wahlkampfes eigentlich sehr zufrieden sein. Auch wenige Tage vor der Wahl liegt die Union in den Umfragen noch immer deutlich vor der SPD. Dass auch die künftige Kanzlerin wieder Merkel heißen wird, daran zweifelt kaum jemand.

Dass das so kommen würde, war keineswegs immer absehbar. Als Merkel im November vergangenen Jahres ihre erneute Kandidatur ankündigte, tat sie dies mit drastischen Worten: Diese Wahl werde die schwierigste seit der deutschen Einheit, sagte sie damals. Und als die SPD dann im Januar auch noch Schulz als Kanzlerkandidaten nominierte, sah es für kurze Zeit tatsächlich so aus, als könnte der ehemalige EU-Parlamentspräsident Merkel ernsthaft gefährlich werden. Doch dann verlor die SPD im Frühjahr gleich drei Landtagswahlen und mit dem Schulz-Hype war es vorbei. Seither scheinen die alten politischen Verhältnisse wieder hergestellt, deren Grundprinzip lautet: Gegen Merkel hat die SPD keine Chance.

Eine Ahnung davon, warum das so ist, bekommt man im sogenannten Fedidwgugl-Haus, mit dem die CDU eine Art begehbares Wahlprogramm schaffen wollte. Fedidwgugl ist die Abkürzung für den CDU-Wahlkampfslogan "Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben". Mittlerweile geht Merkel der wenig eingängige Silbensalat schon ganz flüssig über die Lippen.

Das Gebäude befindet sich in bester Berliner Zentrumslage, ist aber gerade nicht schick, sondern eher schwer renovierungsbedürftig. Innendrin gibt es dafür viel Hightech. Ein Roboter schreibt die Zukunftsideen der Besucher auf Zettel, in einem anderen Raum werden Wünsche für Europa an einen Sternenhimmel projiziert. Das alles soll sagen: Wir sind keineswegs die Altherrenpartei, für die uns immer noch viele halten. CDU das steht für Aufbruch, Innovation, Zukunft.

Echte Informationen findet man eigentlich nur im Eingangsbereich. Über die Seitenwände flimmern permanent bunte Grafiken, die zeigen, was die CDU alles erreicht hat: weniger Arbeitslose, mehr sozialversicherungspflichtige Jobs, höhere Löhne zum Beispiel.

Bundestagswahlkampf - Das CDU-Programm in einer Minute Mark Schieritz, Korrespondent im Hauptstadtbüro von DIE ZEIT, arbeitet die Unterschiede zur SPD für Sie heraus. © Foto: Jan Lüthje/ZEIT ONLINE