Die SPD hat knapp eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl im ARD-Deutschlandtrend einen Prozentpunkt eingebüßt und liegt derzeit bei nur noch 20 Prozent. Dies ist ihr schwächster Wert seit Januar.

In der Erhebung liegen die Sozialdemokraten in der Sonntagsfrage ("Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre?") nur noch acht Prozentpunkte vor der AfD, die auf zwölf Prozent kommt. Die Union als stärkste Partei verharrt bei 37 Prozent. Die FDP rückt mit 9,5 Prozent auf Platz vier vor. Die Linken verlieren leicht und kommen auf neun Prozent, die Grünen auf 7,5 Prozent.

Mit diesen Zahlen würde es derzeit neben einer großen Koalition keine Mehrheit für weitere Zweierbündnisse geben. An Dreierbündnissen wäre eine sogenannte Jamaikakoalition aus CDU, FDP und Grünen rechnerisch möglich. Sowohl FDP als auch Grüne haben dies aber als sehr unwahrscheinlich bezeichnet.

Im rein theoretischen Fall einer Direktwahl des Kanzlers oder der Kanzlerin liegt Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) zwar weiterhin weit vorne. Sie büßt aber mit 51 Prozent etwas stärker an Zustimmung ein als SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz mit 25 Prozent.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (z.B. Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transpararenzblog Glashaus.

Für die Erhebung hat Infratest dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen am 12. und 13. September etwas mehr als 1.500 Menschen befragt. 

Christopher Lauer - Ist die SPD ins Scheitern verliebt? Erst war er bei den Piraten, dann hat er die Partei gewechselt. Als Neu-Sozi sagt Christopher Lauer im Videointerview, die SPD müsse vielleicht mal eine Verhaltenstherapie machen. © Foto: Jan Lüthje