Drei von vier Deutschen befürworten, dass die Bundesregierung sich für Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei einsetzt: 77 Prozent der Befragten im ARD-"Deutschlandtrend" sprachen sich für mögliche Strafmaßnahmen aus – und nur 19 Prozent dagegen. Ein entschiedeneres Auftreten der Bundesregierung gegenüber der türkischen Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdogan forderten laut ARD sogar 88 Prozent.

Obwohl es eine Mehrheit der Deutschen gut findet, dass Kanzlerin Merkel (CDU) grundsätzliche Gesprächsbereitschaft gegenüber der Trükei signalisiert, gibt es kaum noch Befürworter einer EU-Mitgliedschaft des Landes. 84 Prozent gaben an, dass sie eine Aufnahme der Türkei in den Staatenbund ablehnen. Im Vergleich zum letzten "Deutschlandtrend", in dem diese Frage vor rund einem Jahr gestellt worden war, stieg damit die Ablehnung eines türkischen EU-Beitritts.

Deutsche wegen Terrorismus-Vorwürfen vor Gericht

Den deutsch-türkischen Beziehungen droht indes eine weitere Belastungsprobe. Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge wird in der Türkei derzeit einer deutschen Staatsbürgerin wegen Terrorismus-Vorwürfen der Prozess gemacht. Der 49-Jährigen wird laut SZ vorgeworfen, der Bewegung des Predigers Fetullah Gülen anzugehören, die die türkische Regierung hinter dem Putschversuch von 2016 sieht. Der Frau, die ausschließlich die deutsche Staatsangehörigkeit habe, drohe nach dem Prozess in der südosttürkischen Ort Karaman eine mehrjährige Haftstrafe. Sie habe bereits im vergangenen Jahr für zwei Wochen in Untersuchungshaft gesessen.

Dem Bericht zufolge umfasst die Anklageschrift nur wenige Zeilen und legt der Deutschen Nähe zu der als Terrororganisation eingestuften Gülen-Bewegung zur Last. Dieser soll sie als Leiterin einer lokalen Frauenunterorganisation angehören. Die Frau stamme aus der Türkei, besitze seit vielen Jahren aber nur noch die deutsche Staatsangehörigkeit.

Türkei lässt Deutschen aus Untersuchungshaft

Für ihre Freilassung aus der Untersuchungshaft habe sich der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Markus Ederer, bei einer Türkeireise im vergangenen Jahr erfolgreich eingesetzt. Sie habe das Land aber nicht verlassen dürfen und müsse sich seit Donnerstag vor Gericht verantworten. Ein konsularischer Vertreter sei offenbar bei Prozessauftakt nicht zugegen gewesen.

Die Türkei hatte am Donnerstag einen zweiten in Antalya festgenommenen Deutschen freigelassen. Gegen den Mann sei jedoch eine Ausreisesperre verhängt worden, erklärte das Auswärtige Amt. Damit sind nach früheren Zahlen noch zehn Deutsche in der Türkei in Haft, denen politische Vergehen vorgeworfen werden. Unter ihnen ist auch der Welt-Korrespondent Deniz Yücel, der seit mehr als 200 Tagen festgehalten wird. Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind unter anderem deshalb sehr angespannt.