Die Bundesregierung hat beschlossen, sich der internationalen Definition von Antisemitismus anzuschließen. Dadurch soll erreicht werden, verschiedene Ausprägungen von Antisemitismus möglichst früh zu erkennen und zu bekämpfen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte die Arbeitsdefinition gemeinsam mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in der Ministerrunde vor. "Wir Deutschen sind besonders wachsam, wenn Antisemitismus in unserem Land um sich zu greifen droht", sagte de Maizière.

Die Definition beruht auf Arbeiten der Internationalen Allianz für Holocaust-Gedenken (IHRA). Sie lautet: "Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Juden, die sich als Hass gegenüber Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nicht-jüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum, sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen."

Die 31 Mitgliedsstaaten der IHRA hatten diese Begriffserklärung im Mai 2016 verabschiedet. Israel, Großbritannien, Österreich und Rumänien haben die Definition bereits übernommen. Auch die Bundesregierung empfiehlt nun, die Definition beispielsweise in Schulen und in der Ausbildung von Justiz und Polizei zu verwenden. Damit soll es unter anderem erleichtert werden, bestimmte Straftaten einheitlich als antisemitisch einzuordnen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland begrüßte den Beschluss. "Antisemitismus im Gewand vermeintlicher Israelkritik gilt es ebenso zu bekämpfen wie die alten Vorurteile gegenüber Juden", sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Mit der Entscheidung habe die Bundesregierung ein klares Zeichen gesetzt, dass Antisemitismus in Deutschland weder geduldet noch toleriert werde.