Für eine Neuauflage der großen Koalition nach der Bundestagswahl sprechen sich 46 Prozent der Unionswähler aus, aber nur 37 Prozent der SPD-Wähler. Wie das Institut YouGov in einer repräsentativen Umfrage herausfand, bevorzugen 59 Prozent der Sozialdemokraten stattdessen eine rot-grüne Regierung. Realistisch ist diese Option in der nächsten Legislaturperiode rein rechnerisch aber nicht.

Noch lieber als eine große Koalition wäre den Unterstützern von CDU und CSU eine schwarz-gelbe Regierung; dafür sprachen sich in der Umfrage 64 Prozent von ihnen aus.

SPD-Linke will sich nicht als Juniorpartner "opfern"

Auch dem linken Abgeordnetenflügel der SPD widerstrebt eine schwarz-rote Koalition. Seine Partei müsse dafür kämpfen, selbst die führende Rolle in der Regierung zu übernehmen, sagte der SPD-Fraktionsvize Axel Schäfer dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Falls das aber nicht klappt, will ich persönlich nicht, dass wir noch einmal als Juniorpartner in eine Große Koalition gehen." Es gebe für die SPD "keine Pflicht zur Selbstopferung", fügte er hinzu.

Auch der Sprecher der SPD-Denkfabrik, Frank Schwabe, will seine Partei nach der Wahl nicht mehr als Juniorpartner der Union sehen. "Wenn meine Partei keine Regierung unter ihrer Führung bilden kann, sollten wir in die Opposition gehen", sagte Schwabe. Er erinnerte daran, dass sich SPD-Chef Martin Schulz und dessen Vorgänger Sigmar Gabriel gegen eine erneute große Koalition unter Führung der CDU ausgesprochen hätten. "Ich gehe fest davon aus, dass dieses Wort auch nach der Wahl gilt."

Große Koalitionen müssten die Ausnahme bleiben, sagte der SPD-Vorsitzende in Sachsen-Anhalt, Burkhard Lischka. Sie seien "kein Segen für die Demokratie, weil sie am Ende nur die politischen Ränder stärken".

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (z.B. Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transpararenzblog Glashaus.