Der scheidende Bundestagspräsident Norbert Lammert hat alle Bürger eindringlich dazu aufgerufen, am Sonntag zur Bundestagswahl zu gehen. "Wahlen sind das Königsrecht der Demokratie, ein Hochfest. Wer davon nicht Gebrauch macht, hat mindestens moralisch den Anspruch verwirkt, sich nachher zu beschweren", sagte er den Westfälischen Nachrichten. "Wer sich entschieden hat, sich nicht für Politik zu interessieren, hat sich entschlossen, anderen die Zukunft zu überlassen."

Lammert warnte vor einer "gefährlichen Überheblichkeit", den Wahlkampf als langweilig abzutun. In Deutschland seien vielleicht nur wesentliche Dinge geregelt und man könne es sich leisten, sich über vergleichsweise "luxuriöse Dinge" im Wahlkampf Gedanken zu machen: "Bessere Verhältnisse als heute hat es aber noch nie gegeben", sagte der scheidende Bundestagspräsident.

Auch deshalb, so Lammert, sei es beklagenswert, dass immer mehr Menschen in Deutschland trotz der erfolgreichen EU-Integration einen Rückmarsch ins 19. Jahrhundert wollen. "Die Rückkehr zum reinen Nationalstaat! Ausgerechnet in Deutschland mit der Erfahrung der Mauer samt Schießbefehl kommen Leute auf die Idee, wir benötigen wieder Mauern? Das kann nicht gut gehen."

Der bisherige Bundestagspräsident Lammert scheidet nach der Wahl aus dem Parlament aus – nach 37 Jahren als Parlamentarier und 12 als deren oberster Repräsentant – und folgt mit seinen Äußerungen einer Reihe von Politikern, die die Bürger zum Wählen auffordern. "Gehen Sie wählen", sagte etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Und wählen Sie die Parteien, die sich unserem Grundgesetz zu hundert Prozent verpflichtet fühlen."