CDU - Heiner Geißler ist tot Der frühere CDU-Generalsekretär Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er galt als engagierter Sozialpolitiker und bekleidete mehrere Ministerposten. © Foto: Karlheinz Schindler/dpa

Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Der Politiker war von 1982 bis 1985 Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit und von 1977 bis 1989 Generalsekretär der Partei. Sein Sohn bestätigte den Tod.

Unter den Ministerpräsidenten Peter Altmaier und Helmut Kohl (beide CDU) war Geißler von 1967 bis 1977 Sozialminister in Rheinland-Pfalz, anschließend wurde er CDU-Generalsekretär. Kohl berief den promovierten Juristen 1982 zum Familienminister. Der Sozialexperte arbeitete an einem neuen Image der CDU als moderne Programmpartei und führte unter anderem ein Erziehungsgeld ein. Unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Partei führten seit Mitte der 1980er Jahre zu Konflikten und schließlich zum Bruch mit Kohl. 1989 musste Geißler als Generalsekretär zurücktreten

Auch nach seiner parteipolitischen Laufbahn blieb Geißler ein Mahner, der die CDU wiederholt vor "Kleingeisterei" warnte. Wirtschaftspolitisch entfernte er sich zunehmend von seiner Partei und trat auch der globalisierungskritischen Vereinigung Attac bei.  

Lob für Schlichtung bei Stuttgart 21

Zuletzt war Geißler Schlichter im Streit um das umstrittene Bahn-Großprojekt Stuttgart 21. Für das transparente Verfahren erhielt er viel Anerkennung. Noch bis vor kurzem äußerte er sich zu aktuellen politischen Themen. So kritisierte er etwa im März die rheinland-pfälzische CDU-Chefin und Bundes-Vize Julia Klöckner, weil diese Reformen an den Hartz-Gesetzen abgelehnt hatte.

Geißler kam am 3. März 1930 in Oberndorf am Neckar als Sohn eines Oberregierungsrates zur Welt. Vor seiner politischen Karriere war der Vater von drei Söhnen vorübergehend Mitglied des Jesuitenordens, dann Amtsrichter.

"Intellektuell herausragend, rhetorisch brillant"

Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel nannte Geißler einen der markantesten Köpfe der Christdemokraten. Der langjährige Generalsekretär sei "intellektuell herausragend, rhetorisch brillant, streitbar und selbstbewusst" gewesen, sagte Merkel. Geißler habe maßgeblich und mit großem Erfolg dazu beigetragen, aus der Honoratiorenpartei CDU eine echte Mitglieder- und Programmpartei zu machen. Auch die eigene Partei habe er nicht mit offenen Worten geschont, wenn er dies für nötig gehalten habe. "Dieses Rückgrat, diese politische Unabhängigkeit bewahrte er sich stets", sagte Merkel.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bescheinigte Geißler einen jahrzehntelang prägenden Einfluss auf die deutsche Politik. "Er war mit einer Leidenschaft Politiker und mit einer Hingabe Mitgestalter unseres Gemeinwesens, die selten zu finden waren und sind", schrieb Steinmeier in einem Kondolenzschreiben an Geißlers Witwe. Mit Geißler verliere Deutschland "eine unvergleichliche politische Persönlichkeit, die bis ins hohe Alter gerade auch für junge Menschen Vorbild war", so Steinmeier. Geißler habe sich in seinen Ämtern engagiert, einem modernen Konservatismus Gestalt zu geben.

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen beklagte einen schmerzhaften Verlust durch den Tod Geißlers. "Als guter Freund meines Vaters war mir Heiner Geißlers Stimme von Jugend an vertraut", sagte die Tochter des früheren niedersächsischen CDU-Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, der 2014 verstorben war. Von der Leyen würdigte Geißler als "Vordenker und Modernisierer". Er habe in der Partei früh "dafür geworben, die Interessen von Frauen und Familien mit Leidenschaft zu vertreten".  

Einsatz gegen Armut und Umweltzerstörung

Auch Politiker anderer Parteien würdigten Geißler. "Er war für seine Partei und für viele Bürger unseres Landes eine prägende politische Gestalt der ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik. An der Auseinandersetzung mit seiner pointierten Sicht auf die Linke und die Sozialdemokratie ist die Diskussionskultur Deutschlands gewachsen", sagte Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD).

Der frühere SPD-Chef und heutige Linken-Politiker Oskar Lafontaine nannte Geißler einen der "profiliertesten Politiker der deutschen Nachkriegszeit". Geißler habe sich seines ganzes Leben der christlichen Soziallehre verpflichtet gefühlt, sagte Lafontaine. "Wie kaum ein anderer kritisierte er die Fehlentwicklungen des globalen Kapitalismus. Er wird uns fehlen."

Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt dankte Geißler auf Twitter für seinen Einsatz gegen Armut, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung. "Er war ein streitbarer, unbeugsamer Demokrat", schrieb Göring-Eckhardt.