Mutter und Sohn haben es sich gemütlich gemacht, sie schauen sich gemeinsam ein Bilderbuch an. Im Hintergrund werkelt Papa fröhlich in der Küche. Es ist das perfekte Idyll. "Familien sollen es kinderleichter haben", wirbt die CDU auf ihrem großflächigen Wahlplakat. Nicht ganz so harmonisch geht es direkt daneben zu. Die SPD plakatiert zwei lauthals schreiende Kinder. "Unsere Familienpolitik ist genauso: laut und fordernd", versprechen die Sozialdemokraten.

Es ist Wahlkampf in Deutschland und die Familien als potenzielle Wählergruppe will sich keine Partei entgehen lassen. Alle werben mit mehr oder weniger großzügigen Angeboten. Doch die Konzepte unterscheiden sich deutlich, wie ein Blick auf wichtige Themenbereiche zeigt. 

Familienbild

Das Familienbild der Parteien hat sich weitgehend angeglichen. Dass mit Familie heute ganz unterschiedliche Konstellationen gemeint sein können: Diese Einsicht teilen von CDU und CSU bis zur Linkspartei alle. So heißt es etwa im Wahlprogramm der Union: "Wir schreiben Familien kein bestimmtes Familienmodell vor." Menschen sollten selbst entscheiden, wie sie ihr Zusammenleben organisieren. In diesem Zusammenhang werden auch die "eingetragenen Lebenspartnerschaften" genannt.  

Nur die AfD fühlt sich explizit der traditionellen Familie verpflichtet. Die Familienpolitik solle sich am Bild der Familie aus Vater, Mutter und Kinder orientieren, heißt es dort. Während alle anderen Parteien mit ihren familienpolitischen Maßnahmen vor allem Armut bekämpfen oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf steigern wollen, sieht die AfD in der Familienpolitik ein Mittel zum Erhalt "unserer angestammten Bevölkerung". Dementsprechend möchte sie zum Beispiel einen Ehekredit einführen, von dem umso weniger zurückgezahlt werden muss, je mehr Kinder ein Paar bekommt. 

Kindergeld und Kinderfreibeträge

Den massivsten Eingriff in das bisherige System der Familienförderung planen Linke und Grüne. Bislang läuft die direkte Unterstützung von Familien über das Zusammenspiel von Kindergeld und Kinderfreibeträgen. Das hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Gutverdiener können so bei der Steuer mehr sparen, als Normalverdiener über das Kindergeld bekommen. "Dieser Vorteil kann sich bis zum 25. Geburtstag eines Kindes auf bis zu 20.000 Euro summieren", sagt Holger Stichnoth vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung. 

Um diese grundlegende Ungerechtigkeit anzugehen, wollen Linke und Grüne die bisherige Förderung durch eine Kindergrundsicherung ersetzen. Diese soll nach Willen der Linken bei 573 Euro pro Kind liegen, die Grünen machen zur Höhe keine Angabe. Das Geld stünde allen Eltern zu, würde aber bei steigendem Einkommen abgeschmolzen.

Profitieren würden davon vor allem Geringverdiener, zum Beispiel auch Hartz-IV-Bezieher, an denen die üblichen Kindergelderhöhungen stets vorbeigehen, weil das Kindergeld auf Hartz-IV Leistungen angerechnet wird. Die Kosten wären für den Staat aber vermutlich hoch, betont Ökonom Stichnoth.  Zumindest dann, wenn für alle Kinder derselbe Betrag bezahlt würde und dieser dann auch noch so hoch wäre, dass Kinderarmut wirksam bekämpft würde.

Während die Grünen die Kindergrundsicherung sofort einführen wollen, sehen die Linken sie eher als längerfristiges Projekt. In einem ersten Schritt wollen sie deswegen zunächst das Kindergeld auf 328 Euro pro Kind erhöhen (heute erhöhen 192). Damit läge das Kindergeld über dem Entlastungsbetrag, den Spitzenverdiener derzeit pro Kind über die Steuer sparen können (derzeit 292 Euo).

Bundestag - Letzte Debatte vor der Wahl Die Abgeordneten haben die letzte Parlamentssitzung vor der Bundestagswahl genutzt und ihre jeweiligen Positionen für den Wahlkampf klar formuliert. © Foto: Michael Kappeler/dpa