In der sächsischen AfD haben nach dem Rückzug von Frauke Petry weitere führende Vertreter ihre Ämter niedergelegt. Der stellvertretende Landesvorsitzende Sven Simon und der Landesvorsitzende der Jungen Alternative (JA) Sachsen, Julien Wiesemann, traten mit sofortiger Wirkung zurück. Auch das Vorstandsmitglied Ralf Nahlob legte alle Funktionen nieder und erklärte zugleich seinen sofortigen Austritt aus der AfD.

Diesen Schritt behielt Simon sich noch vor. "Die Ausrichtung der AfD macht mir Sorgen und lässt mich zweifeln, ob ich noch in der Partei bin, in die ich eingetreten war", sagte er. "Schrille Töne und sonstiges politisches, unkluges Agieren Einzelner lassen das gute Programm in den Hintergrund treten." Damit bezog er sich offenkundig auf Äußerungen des Spitzenkandidats Alexander Gauland oder des Thüringer AfD-Nationalisten Björn Höcke. Wiesemann, der auch Beisitzer im Landesvorstand der AfD Sachsen war, kündigte an, er werde als "einfaches Parteimitglied die Entwicklung der Partei in nächster Zeit beobachten". Mit Wiesemann trat auch JA-Landesvorstandsmitglied Judith Seifert zurück.

Wiesemann war 2013 an der Gründung der rechtspopulistischen Partei Die Freiheit beteiligt und zeitweise deren Landesvize in Sachsen. Viele Aktive dieser Partei wandten sich nach 2013 der AfD zu. Diese verhängte zeitweise einen Aufnahmestopp für Mitglieder kleinerer Parteien.

Austritt zum 30. September

Die bisherige AfD-Vorsitzende und Chefin des sächsischen Landesverbandes Petry vollzog am Freitag ihren angekündigten Parteiaustritt mit Wirkung zum 30. September, ebenso der NRW-Landes- und Fraktionsvorsitzende Marcus Pretzell, Petrys Ehemann. Petry wird damit nach dem Sieg in ihrem sächsischen Wahlkreis bei der Bundestagswahl als unabhängige Abgeordnete in den Bundestag einziehen. In Sachsen gaben daraufhin auch der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Uwe Wurlitzer, und Fraktionsvizechefin Kirsten Muster ihre Ämter ab. Auch Wurlitzer trat mit Wirkung zum 30. September aus.

Petry sondiert derzeit einen politischen Neuanfang. Im Interview mit ZEIT ONLINE beschrieb sie ihr neues politisches Projekt in Grundzügen. Sie äußerte die Überzeugung, dass sie nicht allein bleiben werden. "Im Bundestag wird eine parlamentarische Gruppe entstehen", sagte sie. "Wir werden Anträge einbringen, wir werden diskutieren. Wir müssen unsere knappe Redezeit sehr gezielt nutzen und dazu Öffentlichkeit herstellen – dafür müssen wir keine Fraktion sein."

Bundestagswahl - Petry will AfD-Fraktion nicht angehören Bei einer Pressekonferenz der AfD hat die Parteivorsitzende Frauke Petry gesagt, sie wolle fraktionslos als Einzelabgeordnete ins Parlament einziehen. Dort ist die AfD die drittstärkste Kraft. © Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Petry wies den Vorwurf zurück, sie habe Co-Parteichef Jörg Meuthen und Spitzenkandidaten Alice Weidel und Alexander Gauland mit ihrem unangekündigten Rückzug am Tag nach der Bundestagswahl gezielt beschädigen wollen. "Wenn es mir um das Persönliche gegangen wäre, hätte ich einige der internen Vorgänge aus der AfD-Spitze der vergangenen Monate öffentlich gemacht", sagte sie.

Möglicherweise Mitgliederparteitag

Petry beklagte, parteiintern seien ihre Unterstützer jetzt Repressalien ausgesetzt. "Es tut weh, dabei zuzusehen, wie Mitglieder verbal gejagt werden – um Alexander Gauland zu zitieren –, die sich jetzt nicht sofort von mir lossagen, die den Kontakt halten, die über unsere Ausstiegsgründe auch nur differenziert nachdenken wollen."

Petrys Austritt kommentierte der AfD-Chef Meuthen als letzten Schritt "in einer Kette der Entfremdung von der Partei und daher folgerichtig". Meuthen ist jetzt – bis zum für Anfang Dezember geplanten Bundesparteitag – alleiniger Vorsitzender der Partei. Dann sollte ohnehin ein neuer Parteivorstand gewählt werden.

Allerdings steht noch nicht fest, ob der Delegierten-Parteitag tatsächlich wie vorgesehen in Hannover stattfinden kann. Denn aus der Mitgliedschaft gibt es den Wunsch, einen Mitgliederparteitag abzuhalten. Die angemietete Halle böte allerdings nicht genug Platz für die zu erwartende Zahl von Teilnehmern. Entscheiden soll der Parteikonvent am 7. Oktober.