Heiner Geißlers Gesicht sprach Bände: Gegerbt durch extreme sportliche Aktivitäten zeugten tiefe Kerben auch von langen, mühevollen Auseinandersetzungen seines politischen Lebens. Doch sein Gesicht konnte auch Sanftheit ausstrahlen, wenn er es sich denn selbst zugestand. Wie Herbert Wehner oder Franz Josef Strauß war Geißler in der öffentlichen Auseinandersetzung unberechenbar, seine Auftritte waren so berühmt wie gefürchtet.

Am Dienstag ist Geißler, einer der auffallenden Gestalten der bundesdeutschen Politik, im Alter von 87 Jahren gestorben. Parteiübergreifend haben Politiker ihre Trauer zum Ausdruck gebracht und sich an einen brillanten und streitbaren Menschen erinnert. Doch der Vollblutpolitiker aus Oberndorf am Neckar hat sich in seiner langen politischen Laufbahn auch viele Feinde gemacht. Sie kommen, und das hebt Geißler aus der Masse stromlinienförmiger Figuren der Öffentlichkeit hervor, aus gegensätzlichen Lagern. War er als aktiver Politiker vor allem von links umstritten bis verhasst, so schüttelten später die Konservativen den Kopf über ihn. Denn Heiner Geißler war mit dem Alter immer progressiver geworden.

Geboren im Hause eines Oberregierungsrates mit ordentlicher Schulbildung und später zwei juristischen Staatsexamen (plus Promotion) hätte Geißler aus vielen konventionelle Karrieren wählen können. Als Richter am Amtsgericht in Stuttgart und danach als Regierungsrat in der baden-württembergischen Landesregierung schien er auch einen entsprechenden Lebensweg einzuschlagen. Doch die Politik, die er anfangs in der Jungen Union betrieb, hatte anderes mit ihm vor.

Heiner gegen die Sozialdemokraten

Mit seiner Intelligenz und Leidenschaftlichkeit machte sich Geißler bald einen Namen in der CDU. Als Minister erst in der rheinland-pfälzischen Landesregierung, dann in drei Kabinetten Helmut Kohls erwies er sich als ideenreich, durchsetzungsstark und sozial engagiert. In der Erfolgsbilanz des Bundesfamilienministers für Jugend, Familie und Gesundheit steht unter anderem die Einführung des Erziehungsurlaubs und Erziehungsgeldes.

Kohl wusste, was er an Heinrichjosef – genannt "Heiner" – Geißler hatte. Deshalb machte er ihn 1977 zum Generalsekretär der Christlich Demokratischen Union. Genau auf diesem Posten hatte der Mann, der in jungen Jahren Priester und Missionar werden wollte, seine Rolle gefunden. Von christlicher Milde ließ er allerdings in den Wahlkämpfen, die er für seine Partei gestaltete, nichts spüren. Vor allem die Sozialdemokratie bekämpfte er mit einer Härte, die oftmals in Polemik, wenn nicht Vernichtungswillen abglitt.

CDU - Heiner Geißler ist tot Der frühere CDU-Generalsekretär Geißler ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Er galt als engagierter Sozialpolitiker und bekleidete mehrere Ministerposten. © Foto: Karlheinz Schindler/dpa