Auch im Ausland ist das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz mit großem Interesse verfolgt worden. Das Urteil der Kommentare und Analysen fiel einhellig aus: Schulz habe es verpasst, seine Kontrahentin in dem Duell deutlich genug anzugreifen. Die Einigkeit der Spitzenkandidaten bei vielen Themen sei zu offensichtlich gewesen. 

Der britische Guardian kommt zu dem Fazit: "Insgesamt eine enttäuschende Nacht für Angela Merkels Herausforderer. Kurz, als es um die Türkei ging, fühlte es sich an, als könnte er die Kanzlerin überraschen. Doch das Format und die Fragen gaben ihm keine Möglichkeit, dieses Momentum zu behalten. Merkel auf der anderen Seite glänzte nicht, aber sie musste es auch nicht."

"Trump bekam mehr Kritik ab als die beiden Kandidaten"

Die New York Times analysiert: "Schulz' Attacken schienen der Bundeskanzlerin die Möglichkeit zu geben, in die Rolle zu schlüpfen, für die sie im In- und Ausland geachtet wird: als fähige, internationale Staatsfrau. Merkel beharrte darauf, dass trotz der Schwierigkeiten mit der Türkei die diplomatischen Beziehungen nicht abgebrochen werden sollten."

Die Washington Post beschäftigt sich in ihrer Analyse vor allem mit Merkels und Schulz' Kommentaren zu US-Präsident Donald Trump: "Ein Thema nach dem anderen – darunter Flüchtlinge, die Wirtschaft und natürlich Präsident Trump. Dabei zeigte das Paar gelegentlich leichte Unstimmigkeiten, sah aber größtenteils von ernsthaften Attacken ab. Trump selbst bekam wesentlich mehr Kritik ab als das, was die beiden Kandidaten gegenseitig auf sich abluden."

Die Neue Zürcher Zeitung kommentiert, der Bundestagswahlkampf dürfte nach dem Aufeinandertreffen der beiden Kanzlerkandidaten wohl so gut wie gelaufen sein: "Merkel wirkte so sicher, so konzentriert und gleichzeitig über weite Strecken so gelöst, dass sie klare Aussagen zur Türkei, zur Rente und zur Automobilwirtschaft nicht scheute. Schulz war angriffig, aber er verlor sich schnell in Details und prallte immer wieder an Merkel ab. Die beiden wirkten über weite Strecken eher wie die Koalitionäre, die sie sind, denn wie erbitterte politische Gegner."

"Ohne Turbulenzen, ohne Überraschungseffekte, ohne große Versprechen"

Die spanische Zeitung El Mundo attestiert  eine weitgehende Einigkeit der Kontrahenten: "Das einzige Duell mit ihrem Rivalen, in das die Kandidatin der CDU einwilligte, verlief wie der Wahlkampf, in dem sie allen Umfragen zufolge führt: ohne Turbulenzen, ohne Überraschungseffekte, ohne große Versprechen, ohne Selbstkritik. Merkel verteidigte ihre Entscheidungen, wissend, dass ein Sozialdemokrat niemals – so wie es die ganze Zeit der Fall war – solch eine Solidarität infrage stellen würde. Schulz hatte bloß in der Frage der Beziehungen zur Türkei eine andere Meinung."

De Standaard aus Belgien sieht angesichts der Regierungsbeteiligung der SPD wenig Raum für Angriffe auf Merkel: "Die Chance auf einen Meinungsumschwung war nicht völlig von der Hand zu weisen, denn Schulz wurde allgemein als ein besserer Debattierer angesehen als die unerschütterliche, vorhersagbare und gemäßigte Merkel. Erwartungsgemäß wirkte Schulz denn auch aggressiver. Doch zugleich saß er in der Klemme. Immerhin war die SPD in acht der zwölf Kanzlerjahren von Merkel an der Regierung beteiligt, von 2005 bis 2009 und von 2013 bis heute. Das machte es natürlich recht schwierig, ihre Politik anzugreifen. Schließlich hat die SPD sie ja mitgetragen. Und Merkel unterließ es nicht, immer wieder darauf hinzuweisen."