Die ersten Gespräche über eine mögliche Koalition haben noch nicht einmal begonnen, da zeichnet sich ein zentraler Dissens ab: FDP und Grüne stellen die automatische Gesichtserkennung per Videokamera infrage. "Eine flächendeckende Gesichtserkennung wäre ein erheblicher Schritt in Richtung Überwachungsstaat", sagt FDP-Vize Wolfgang Kubicki dem Spiegel. Ähnlich sieht es Grünenfraktionsvize Konstantin von Notz: "Dann würden wir nicht mehr in einem freien Land leben." 

Die Gesichtserkennung per Videokamera ist ein wichtiges Projekt der Union, besonders Bundesinnenminister Thomas de Maiziére treibt es voran. Seit dem Sommer testet die Bundespolizei am Berliner Bahnhof Südkreuz eine Kameraanlage und Computerprogramme, die Verdächtige live in Menschenmengen erkennen sollen. Dafür hatten sich Menschen extra bereiterklärt und registrieren lassen.

Gesichtserkennung könnte "einen enormen Nutzen für die tägliche Arbeit der Polizisten haben", sagte der Bundesinnenminister. "Technischer Fortschritt darf nicht bei den Sicherheitsbehörden haltmachen."

Die Rheinische Post veröffentlichte ein Foto eines internen Informationsschreibens, das auf die Grünen zurückgehen soll. Daraus geht hervor, dass diese Woche ein informelles Treffen zwischen Grünen- und FDP-Spitzenpolitikern stattgefunden haben soll, darunter FDP-Chef Christian Lindner und Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir sowie Karin Göring-Eckardt. Es sei um "vertrauensbildende Maßnahmen" gegangen. Zudem skizziert das Dokument erste Ressortzuschnitte. Lindner und Özdemir dementierten den Bericht der Zeitung, die aus dem Papier zitierte. Chefredakteur Michael Bröcker entgegnete, seine Zeitung habe das Dokument "nicht erfunden". Vielleicht sei es aber nur eine Skizze "übereifriger Parteileute".

Die Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen ist derzeit die einzige Regierungskoalition, die im Bundestag eine absolute Mehrheit hätte. Die SPD hatte erklärt, in die Opposition zu gehen.