Seit Wochen ist der Umgang mit Wölfen ein Streitthema in Niedersachsen und damit auch im Landtagswahlkampf. So forderte etwa Barbara Otte-Kinast, die CDU-Kandidatin für den Posten der Landwirtschaftsministerin schon vor Wochen in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, der Wolf müsse ins Jagdrecht übernommen werden. Nun, wenige Tage vor der Wahl am 15. Oktober, kündigten auch SPD und Grüne einen härteren Kurs an.

Nach einer Beratung mit Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) teilten Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) mit, künftig könnten komplette "Problemrudel" abgeschossen werden. Der Artenschutz lasse dies in Ausnahmefällen zu. Bedingung sei, dass die Tiere Schutzzäune von Nutztierhaltern regelmäßig überspringen. Über ein Vorgehen gegen Wölfe werde zudem weiter im Einzelfall entschieden.

"Es gibt keine Zäsur", sagte Weil. Eine Obergrenze für eine Zahl an Wölfen, ab der es in einer Region das Recht zur Reduzierung des Bestands gebe, bestehe nicht, sagte Hendricks. Die Zahl der Wölfe in der Lüneburger Heide sei auch nicht zu hoch, die Art sei weiter in ihrem Bestand als gefährdet anzusehen, sagte die Bundesministerin weiter.

Der Aufnahme des Wolfes in das Jagdrecht erteilten die drei Minister bei ihrem Treffen in Hannover eine Absage. Neben der CDU fordert auch die FDP, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen. Die Grünen halten bislang dagegen. Über den richtigen Umgang mit der wachsenden Wolfspopulation in Niedersachsen wird seit Längerem gestritten. Weidetierhalter und die CDU fordern schon länger eine durch Abschüsse geregelte Obergrenze für Wölfe.

Seit 2008, als sich die ersten Wölfe nahe Lüneburg ansiedelten, wurden 669 Nutztiere gerissen. Elf Rudel haben sich nach Angaben des Naturschutzbundes (Nabu) in Niedersachsen angesiedelt. Die Landesjägerschaft geht derzeit von rund 140 Wölfen im Land aus.