Als Nigel Farage zum ersten Mal bei der AfD war, gab es noch Ärger. 2014 hatte ihn die Parteijugend eingeladen, mehrere Hundert Anhänger bejubelten den britischen Rechtsradikalen im Kölner Hotel Maritim. Der Parteichef hieß damals Bernd Lucke und wollte eigentlich die Professoren in der Partei auf Anti-Euro-Kurs halten. Das Nationalistische war ihm fremd, Lucke war wütend über den Auftritt Farages.

Heute ist Lucke abgewählt. Seine Nachfolgerin Frauke Petry, die etwas gegen Farage sagen könnte, befindet sich innerparteilich dort, wo Lucke kurz vor seiner Abwahl stand. Wenn die Bundestagskandidatin Beatrix von Storch Farage heute nach Berlin einlädt, ist niemand mehr wütend. Im Europaparlament gehören beide zur Europagegner-Gruppe ELDD, wohin von Storch nach einem politischen Streit um den Schusswaffeneinsatz gegen Flüchtlinge gewechselt war.

Farage ist der Ex-Chef der britischen UK Indendence Party (Ukip), ein Sammelbecken der Unzufriedenen, gegründet 1993 aus Protest gegen die EU-Verträge von Maastricht – und die Bewegung, die den damaligen britischen Premier David Cameron dazu trieb, überhaupt ein Referendum über den Austritt aus der EU abzuhalten. Doch obwohl die Briten 2016 mehrheitlich für den Brexit stimmten, musste Farage die Parteispitze räumen, weil er kein Teamplayer war. In einem nüchternen Tagungssaal im Berliner Westen redet er nun vor 300 jubelnden AfD-Anhängern den Brexit schön. Sein Auftritt ist der Versuch, die Außen- und Europapolitik in den AfD-Wahlkampf zu holen, der bisher von der Flüchtlingskrise beherrscht und überlagert ist.

Gauland, Steinbach und Farage fehlen die zukunftsfähigen Ideen

So wie Farage ein Großbritannien rückwärtsgewandter Prägung will, strebt die AfD ein nationalistisches Deutschland an: Das zeigt sich deutlich wie nie, wenn Vorstandsmitglied Alexander Gauland die türkischstämmige Integrationsministerin Özoğuz nach "Anatolien entsorgen" will. Oder wenn Erika Steinbach vor Hunderten Zuhörern für die AfD wirbt, eine Rechtsradikale, die durch den Austritt aus der CDU ihrem Ausschluss zuvorkam. Und deshalb darf auch Farage für die AfD werben. 

Gauland, Steinbach und Farage passen gut zur AfD. Sie sind Ehemalige, die ihre besten Zeiten im Gestern verbracht haben. Für das Morgen fehlen ihnen die zukunftsfähigen Ideen.

Auch die außenpolitischen Ziele der AfD passen ins Gestern, sie stemmen sich gegen den europäischen Wandel der vergangenen Jahrzehnte: Die Partei wünscht sich ein Europa souveräner Nationalstaaten. Nicht nur internationale Vereinbarungen und Handelsabkommen, auch die europäische Integration in Wirtschaft und Politik will sie rückabwickeln. EU-Kommission, europäisches Parlament, die Idee einer gemeinsamen europäischen Armee, Synergieeffekte zwischen den Ländern – all das würde mit der AfD hinfällig.

Die historische West-Orientierung würde aufgegeben

In der AfD-Welt würden Grenzposten die Bundesgrenze sichern, Landesverteidigung würde wieder zur allein nationalen Angelegenheit, rekrutiert würde die Truppe mittels der wiedereingeführten Wehrpflicht. Zusätzlich gäbe es Heimatschutzeinheiten oder ein Milizsystem, denn wie die AfD glauben machen möchte, steht der Feind seit der Flüchtlingskrise bereits im Land. Bundeswehreinsätze im Ausland, etwa in Krisenregionen, würden unmöglich, da sie zuvorderst "fremden Interessen" dienen.