Nach umstrittenen Äußerungen zur Nazizeit hagelt es Kritik am AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann warf Gauland "geschmacklose Geschichtsklitterung" vor. Gaulands Äußerungen hätten ihn als "ultrarechten Militaristen" entlarvt. Offensichtlich entwickle sich die AfD immer deutlicher zu einer rechtsextremen Partei. "Es fehlt mir jede Vorstellungskraft, wie man auf Millionen Tote, barbarische Kriegsverbrechen und eine Zerstörung von ganz Europa auch nur ansatzweise stolz sein kann", sagte Oppermann.

Der Grünenpolitiker Volker Beck erklärte, die Äußerungen des AfD-Spitzenmanns würden "immer ekelhafter". Stolz könne man nur auf die wenigen Soldaten im Widerstand und die Wehrmachtsdeserteure sein. Deutsche Soldaten seien an der Ostfront unmittelbar Zeugen der Massenerschießungen von Juden geworden, ohne sich dem entgegenzustellen. "Da gibt es nichts, worauf man stolz sein könnte", sagte Beck. Die Soldaten der Wehrmacht und der Waffen-SS hätten auch "für das Weitermorden in Auschwitz gekämpft".

Gauland hatte Anfang September bei einem Treffen der AfD-Rechtsaußen-Gruppe Der Flügel gefordert, einen Schlussstrich unter die Bewältigung der NS-Vergangenheit zu ziehen. Er räumte ein, dass die NS-Zeit mit ihren Verbrechen eine "falsche Vergangenheit" gewesen sei. Jetzt aber gebe es das Recht, "uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen". Die Deutschen hätten wieder das Recht auf "Stolz" auf die Taten der Soldaten. Gauland gilt als Vertreter des nationalkonservativen Flügels der Partei.

Gegen ihn wird wegen Volksverhetzung ermittelt, nachdem er über die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz (SPD), gesagt hatte, sie könne in Anatolien "entsorgt" werden. Daraufhin hatten mehrere Personen Strafanzeige erstattet, unter anderem der ehemalige Bundesrichter Thomas Fischer.

Die AfD-Gruppe Der Flügel, die das sogenannte Kyffhäusertreffen organisiert, steht für einen ultrarechts-nationalistischen Kurs der Partei. Eine wichtige Rolle in dieser Gruppe spielen die Politiker Björn Höcke und André Poggenburg, die ihrerseits immer wieder durch Provokationen auffallen. Höcke hatte zum Beispiel im Januar bei einer Rede in Dresden gesagt, das Holocaustmahnmal in Berlin sei "ein Denkmal der Schande". Er forderte: "Wir brauchen eine Erinnerungskultur, die uns vor allen Dingen und zuallererst mit den großartigen Leistungen der Altvorderen in Berührung bringt." Ein Parteiausschlussverfahren gegen Höcke wurde beantragt, ist aber im AfD-Parteivorstand umstritten.

Schulz fordert Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz

Bereits vor Bekanntwerden der Äußerungen Gaulands sprach sich SPD-Kanzlerkandidat Schulz dafür aus, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. "Die völkische Rhetorik auch in der AfD-Spitze zeigt doch, dass man davon ausgehen muss, dass nicht nur an der Basis, sondern auch in der Führung der Partei eine Gesinnung herrscht, die mit den Grundwerten unserer Verfassung nicht vereinbar ist", sagte Schulz dem Spiegel. "Die Spitze der AfD ist rassistisch."

Schulz mahnt auch die Parteien im Bundestag zu einem aufmerksamen parlamentarischen Umgang mit der AfD, sollte die Partei die Fünfprozenthürde überspringen. "Die Geschäftsordnung des Bundestages gilt auch für die AfD. Aber es wäre fatal, im Parlament mit ihr zusammenzuarbeiten – so wie es die CDU ja bereits im Landtag von Sachsen-Anhalt getan hat", so Schulz.

Er habe in seiner Zeit im Europäischen Parlament "mit solchen Leuten" seine Erfahrungen gemacht. Die französische Politikerin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, zum Beispiel habe ihm mal ganz offen gesagt: "Ja klar sitze ich hier, um den Laden abzuschaffen. Und dafür stellt ihr mir noch einen Dienstwagen zur Verfügung. So denken diese Leute."

Zugleich kündigte der SPD-Chef an, um AfD-Sympathisanten werben zu wollen. "Die Funktionäre der Partei müssen wir bekämpfen, auf die Sympathisanten dürfen wir nicht einprügeln", sagte Schulz. "Wir müssen den Leuten, die sich zur AfD hingezogen fühlen, zuhören. Da gibt es überhaupt kein Vertun. Man kann sie auch zurückgewinnen." Es gebe viele Ideologen, so Schulz: "Aber es gibt auch viele Stille im Land, die denken, ich wähle die jetzt mal, um ein Signal zu setzen. Die dürfen wir niemals aufgeben."