Kanzlerin Angela Merkel hat die Position von Christian Lindner zur russischen Annexion der Krim kritisiert. "Wenn ich jetzt zum Beispiel so höre, die russische Annexion der Krim müsse man einfach akzeptieren, dann überlege ich: Was wäre denn passiert, wenn man damals so mit uns in der DDR umgegangen wäre, nach dem Motto, ist ja klar, dass Deutschland geteilt bleibt, daran wird sich nichts mehr ändern?", fragte sie in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Lindner hatte Anfang August einen Neustart der Beziehungen zu Russland gefordert. Dafür solle die völkerrechtswidrige Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland als "dauerhaftes Provisorium" anerkannt werden. Der Konflikt solle "eingekapselt" werden, um an anderer Stelle Fortschritte zu erzielen.

Es müsse Angebote geben, sagte Lindner damals, damit der russische Präsident Wladimir Putin ohne Gesichtsverlust seine Politik korrigieren könne. "Die Sanktionen sollten nicht erst fallen können, wenn das Friedensabkommen von Minsk vollständig erfüllt ist. Auch positive Zwischenschritte müssen gewürdigt werden." Sicherheit und Wohlstand in Europa würden auch von den Beziehungen zu Russland abhängen.

Russland soll in G8 aufgenommen werden

Nun ergänzte der FDP-Chef seine Forderung nach einer Entspannung der Beziehungen zum Kreml. Er plädierte dafür, Russland wieder in die Gruppe der acht großen Industrienationen aufzunehmen: "Wenn Russland auf Militärmanöver verzichtet, die unsere osteuropäischen Partner bedrohen, wäre das ein Anlass, die G8-Staatengruppe wiederzubeleben, wenn auch anfangs nur als G7+1", sagte er dem Focus.

Viele Beobachter deuten Linders neue Position in der Russlandpolitik als Wahlkampfmanöver. Zum einen solle an die deutsche Wirtschaft ein Wink gegeben werden, dass sich in der Sanktionsfrage etwas bewegen könnte. Die EU hatte nach der Krim-Annexion 2014 Sanktionen gegen Russland verhängt. Zum anderen erhoffe sich der FDP-Chef davon, neue Wähler zu gewinnen. Die Linke und die AfD fordern auch eine Neuorientierung in der Haltung zu Russland.