Der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich hat einen Kursschwenk der CDU nach rechts und eine schärfere Asyl- und Einwanderungspolitik gefordert. "Wir haben Platz gelassen rechts von der Mitte. Viele unserer Anhänger haben uns nicht mehr für wählbar gehalten", sagte der CDU-Politiker gegenüber der Funke-Mediengruppe. "Wenn man über die Mitte hinweg nach links geht, darf man die Stammwähler nicht vergessen: die rechtschaffenen Leute, die an Recht und Ordnung glauben." Die AfD war bei der Bundestagswahl in Sachsen mit 27 Prozent stärkste Kraft geworden, 0,1 Prozentpunkte vor der CDU.

Tillich kritisierte die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel. Die sei für das gute AfD-Ergebnis bei der Bundestagswahl mitverantwortlich. "Mit Sicherheit ist das ein Grund", sagte er. "Die Leute wollen, dass Deutschland Deutschland bleibt. Sie wollen keine Parallelgesellschaften und keinen Anstieg der Kriminalität. Sie wollen nicht, dass religiöse oder politische Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen hier ausgetragen werden."

Die Bürger wünschten sich laut Tillich einen starken Staat. "Und sie haben den Eindruck, dass der Staat nicht in der Lage ist, das Asylrecht konsequent genug umzusetzen. Bei den Abschiebungen gibt es erhebliche Defizite. Da helfen auch keine Schuldzuweisungen zwischen Bund und Ländern", sagte Tillich.

Die Union erreichte bei der Bundestagswahl nur 32,9 Prozent, das schwächste Ergebnis seit 1949. Dennoch wurde sie damit stärkste Kraft. Die AfD zog mit 12,6 Prozent der Stimmen als drittstärkste Kraft in den Bundestag ein. Noch am Abend der Bundestagswahl sagte CSU-Chef Horst Seehofer, die Union müsse ihre "rechte Flanke" schließen. Tillich sagte dazu: "Wir müssen umschalten, da hat Seehofer recht. Ich unterstütze seine Forderung nach einem Kurs 'Mitte rechts'." Die Union müsse sich fragen: Was ist wichtig für die Menschen im Land? "Die Ehe für alle war es jedenfalls nicht." Ein Großteil der Bevölkerung fühle sich nicht verstanden.