Diese Wahl ist eine Warnung. Rechtsextremisten ziehen in den Bundestag ein. Sie werden parlamentarische Mitarbeiter bekommen, Geld, Geheimdienstinformationen. Und wenig spricht dafür, dass sie und ihre Partei wieder aus dem Parlament verschwinden werden. 

Die AfD ist längst vernetzt mit anderen europäischen Rechtsparteien, und die haben in den letzten Jahren gelernt, wie man ein Parlament vergiftet. Die AfD wird nicht nur die Regierung angreifen, sondern alle Parteien. Sie wird sich als die einzige echte Opposition inmitten korrupter Volksverräter darstellen. Sie wird versuchen, jeden gesellschaftlichen Konflikt zu ethnisieren. Die Ausländer werden schuld sein, die Deutschtürken, die Muslime, fremde Kulturen, aber auch die mit ihnen verbündeten abgehobenen, linken Eliten. Vom ersten Tag an, auf der größten Bühne, die dieses Land zu bieten hat. Wie konnte es nur so weit kommen?             

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Trillerpfeifen waren das große Thema der letzten Wochen dieses Wahlkampfs. Es häuften sich die Bilder von scheinbar ganz normalen Deutschen, die die Kanzlerin auf Marktplätzen auspfiffen, die brüllten, dass Angela Merkel eingesperrt gehöre, weil sie Deutschland zerstört habe. Die Menschen mit den Trillerpfeifen waren nicht viele, die meisten von ihnen hat die AfD für diese Auftritte organisiert. Und doch dominierte ihr Hass auf die Eliten und die Muslime zeitweise den Wahlkampf. Warum?

Die Apokalyptiker

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Die politische Berichterstattung und die Debatten in diesem Wahlkampf waren stark geprägt von Leuten, die ein wenig klangen wie die wütenden Männer auf den Marktplätzen. Sie brüllten nicht, sie klangen ernst und eindringlich, aber auch sie benutzten ihre Worte als Trillerpfeifen. Ihr Thema war dasselbe wie das der AfD: Der schleichende Untergang unseres Landes, eine deutsche Apokalypse, verursacht durch feindselige Muslime und ideologisierte Linke.

Da waren Politiker wie Jens Spahn, der behauptete, dass sich in manchen Stadtteilen die Frauen nur noch verschleiert auf die Straße trauten. Journalisten wie Claus Strunz, der sagte, dass die Deutschen in israelischen Verhältnissen lebten. Oder ostdeutsche Ex-Bürgerrechtlerinnen wie Vera Lengsfeld, die davon sprach, dass die Meinungsfreiheit abgeschafft werde. Von dort zu den brüllenden, trillernden Männern auf der Straße ist es nicht weit.

Diese Apokalyptiker sind keine Außenseiter, obwohl sie das gern von sich behaupten. Sie sitzen im CDU-Präsidium, sie moderierten das Kanzlerduell im TV, sie geben Zeitungen heraus. Leute wie sie sind in fast jeder einschlägigen Talkshow. Und wenn sie Bücher herausgeben, dann verkaufen die sich super. Es ist spätestens seit Thilo Sarrazin ein gutes Geschäft, über einen Krieg mit dem Islam zu fabulieren und sich als einsamer Kämpfer gegen eine angebliche Meinungszensur zu inszenieren. Aber aus diesen Einzelstimmen ist irgendwann ein ganzes Orchester geworden, das unaufhörlich seine Weltuntergangsmelodie spielt.

Es stimmt, Flüchtlinge bereiten vielen Menschen in Deutschland Sorgen. Seit die Flüchtlinge da sind, haben manche Frauen mehr Angst, sich frei auf der Straße zu bewegen. Und 40 Prozent der Deutschen gaben im Januar an, dass sie den Umgang mit Flüchtlingen und Asylbewerbern für die dringendste Aufgabe der Politik halten. Das Thema hat viele im Land aufgewühlt. Dabei sollte klar sein: Das Grundgesetz muss von Neuankömmlingen geachtet werden. Und darüber, wie man das sicherstellt, muss natürlich diskutiert werden.