Eine Woche vor der Bundestagswahl hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür ausgesprochen, Missstände in der Pflege zu beseitigen. Die derzeitige Entlohnung sei "im Hinblick auf die Belastungen, die dieser Beruf mit sich bringt, nicht angemessen", sagte Merkel der Bild am Sonntag. Ein Teil des Lohnunterschieds zwischen Männern und Frauen hänge in Deutschland auch mit der unterschiedlichen Bewertung von Berufen zusammen, "also zum Beispiel Pflegeberufe im Vergleich zu Mechatronikern oder Elektriker", sagte Merkel. "Wir müssen daran arbeiten, dass die Gehälter schrittweise weiter steigen."

Verbesserungsbedarf sieht Merkel auch beim Personalschlüssel in der Pflege: "Viele Pflegekräfte sagen uns: Wir würden viel lieber mehr Zeit für die Menschen haben. Deshalb wollen wir die Personalschlüssel überarbeiten." In den TV-Debatten zur Bundestagswahl war Merkel mehrfach vom Publikum auf Missstände in der Pflege angesprochen worden.

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte bereits angekündigt, dass er eine bessere Pflege alter Menschen zum zentralen Thema der nächsten Wahlperiode machen wolle. Nötig sei mehr Personal, bessere Bezahlung und die Möglichkeit, unbürokratisch auf Pflegekräfte aus dem Ausland zurückzugreifen. Die Pflegebranche leidet unter Fachkräftemangel, der sich in der alternden deutschen Gesellschaft nach allen Prognosen noch deutlich zuspitzen wird.

Derzeit sind viele Stellen in der Pflege unbesetzt. Im Juli hatte das Bundeskabinett eine Erhöhung des Mindestlohns für Pflegekräfte Anfang 2018 auf 10,55 Euro im Westen und 10,05 Euro im Osten beschlossen. Dies entspricht einem Plus von 3,4 Prozent im Westen und 5,8 Prozent im Osten. Die Verordnung gilt für Pflegebetriebe.

Bundestagswahlkampf - Das CDU-Programm in einer Minute Mark Schieritz, Korrespondent im Hauptstadtbüro von DIE ZEIT, arbeitet die Unterschiede zur SPD für Sie heraus. © Foto: Jan Lüthje/ZEIT ONLINE