Anhänger von AfD und NPD haben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch bei Wahlkampfauftritten mit Pfiffen, Buhrufen und Schmähungen empfangen. Trotz dieser unangenehmen Zwischenfälle wolle sie jedoch weiter das Gespräch mit Kritikern suchen, sagte Merkel den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Mir ist es wichtig, auch immer wieder dorthin zu fahren, wo ich nicht nur freundlich empfangen werde", sagte Merkel.

Viele Menschen, die sich den Trillerpfeifenkonzerten und den Sprechchören nicht anschlössen, bräuchten Ermutigung, "weiter Zivilcourage zu zeigen und dem Hass entgegenzutreten", sagte die CDU-Vorsitzende. Lautstarke Demonstranten kritisierte Merkel: "Wenn jemand nur noch pfeift und brüllt, dann kann man nicht mehr gut reden."

Im nordsächsischen Torgau hatten mehrere Hundert Demonstranten während einer halbstündigen Rede der Kanzlerin ununterbrochen gegrölt und "Volksverräter", "Abwählen", "Hau ab" und Vergleichbares gebrüllt. Anhänger der AfD, der NPD und der Thügida, eines Pegida-Ablegers aus Thüringen, waren nach Torgau gekommen. Auch in Finsterwalde in Brandenburg war ein Auftritt Merkels von einem Pfeifkonzert begleitet worden. Am Dienstag war Angela Merkel bei einem Wahlkampfauftritt in Heidelberg mit zwei Tomaten beworfen worden.

In Torgau hatte sich die CDU-Vorsitzende an die Demonstranten gewandt und gesagt, dass sich andere Länder freuen würden, unter so demokratischen Bedingungen demonstrieren zu können. Deshalb müsse man dankbar für die Demokratie und die freien Wahlen in Deutschland sein. Gleichzeitig hatte sie die Demonstranten aufgerufen, wählen zu gehen. "Sie spüren ja hier auf diesem Platz: Es wird am 24. September darauf ankommen."

Der Bundesinnenminister verurteilte die Störangriffe: "Wer keine andere Meinung ertragen kann, Plakate zerstört und andere niederbrüllt, disqualifiziert sich als Demokrat", sagte Thomas de Maizière (CDU) der Passauer Neuen Presse. Auch der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) äußerte sich nach den Vorfällen und sagte: "Diese Republik wird nicht durch Brüllerei vorwärts kommen." Wer nur Krawall und Radau mache, sei nicht in der Lage, sich einer Debatte zu stellen.