Glaubt man an die Weisheit eines Fisches, wird Angela Merkel die Wahl gewinnen. Nicht so deutlich, wie die meisten Demoskopen es vorhersagen, aber immerhin mit  kleinem Vorsprung. 25 Tage lang ist in unserem Berliner Newsroom ein Siamesischer Kampffisch in einem symmetrisch eingerichteten Becken geschwommen. Jeden Tag haben wir zwischen 10 und 15 Uhr ein Mal pro Sekunde seine Schwimmbewegungen mit einer Kamera verfolgt.

Jede der beiden Seiten des Beckens stand für einen der beiden Kanzlerkandidaten der großen Volksparteien – Martin Schulz und Angela Merkel – wobei wir täglich die Seiten gewechselt haben. Schwamm der Fisch über den Tagesverlauf öfter auf der Merkel-Seite, bekam die Kanzlerin einen Punkt, war er öfter auf der Seite von Schulz, gewann der SPD-Kandidat.

Heute, am Tag der Wahl, steht das Ergebnis fest und die Prognose ist nach unserem Dafürhalten so übel nicht: Angela Merkel liegt mit 13:12 vorne.

Der Wahlkampffisch

Fisch, ein siamesischer Kampffisch, wird in einem symmetrisch eingerichteten Becken durch sein Schwimmverhalten bis zur Bundestagswahl jeden Tag signalisieren, ob er Martin Schulz oder Angela Merkel mehr Chancen einräumt.

Hier twittert der Fisch seine Prognosen Folgen Sie dem Fisch!

Nun kann man unser Fischexperiment getrost als harmlosen Spaß abtun. Tierorakel haben eine lange Tradition, die bis ins die Antike zurückreicht, und natürlich sind solche Prognosen zuallererst unterhaltsam, vor allem wenn das Orakel hin und wieder richtigliegt. (So geschehen etwa im Fall der Krake Paul, einem in Oberhausen lebenden Oktopus, der während der Fußballweltmeisterschaft 2010 alle Spiele der deutschen Mannschaft richtig vorhersagte.) Und klar: Auch wir hatten einige Freude mit dem Fisch, nicht zuletzt, weil er hin und wieder scharfsinnige Alltagsbeobachtungen und Gemütsregungen von seinem Twitteraccount gesendet hat.

Und doch hatte das Fischexperiment aus unserer Sicht einen seriösen Kern. Es sollte uns daran erinnern, dass Zukunftsprognosen immer mit Unsicherheiten behaftet sind – egal ob ein Fisch sie trifft oder ein Institut, das eine Stichprobe aus der Gesamtzahl der Bürger befragt.

Auch deshalb haben wir parallel fünf Experten in der Serie Fünf und der Fisch zur Wahl schreiben lassen, eine Soziologin, einen Statistiker, einen Zeithistoriker, einen Wahlkampfmanager und eine Theatermacherin. Sie alle einte die Skepsis gegenüber verführten Prognosen, mitunter auch gegenüber Prognosen an sich. Die Texte der Serie waren der Versuch, Trends im Wahlgeschehen zu erkennen – ohne in falsche Zahlengläubigkeit zu verfallen. (Hier finden Sie alle Teile der Serie.) Der Fisch war uns in den Wochen vor der Wahl eine ständige Mahnung: Glaubt nicht, dass ihr die Zukunft viel besser vorhersagen könnt als ein Fisch! 

Dass der Fisch am Ende mit seiner Prognose wohl ganz gut liegen wird, ist natürlich eine willkommene Pointe. Glauben werden wir den prognostizieren Sieg Merkels allerdings erst, wenn am Sonntag um 18 Uhr die ersten Hochrechnungen vorliegen werden.