Erschreckend oft haben die Umfrageinstitute in den letzten Monaten und Jahren schiefgelegen, sei es im Saarland, beim Brexit, in Österreich oder bei der Mutter aller Fehlprognosen, dem Wahlsieg von Donald Trump in den USA. 

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Das ist keine Petitesse, wenn man bedenkt, welchen Einfluss Umfragen auf Wahlentscheidungen haben. Sie können Wähler demobilisieren oder andersherum Leihstimmen aktivieren. Wenn Wähler den Stand des Rennens zu kennen glauben, kann das Wahlentscheidungen in die eine oder andere Richtung verzerren. Das ist eine Gefahr für die Demokratie, wie ich in meinem letzten Beitrag gezeigt habe. 

Doch warum sind Umfragen überhaupt so anfällig? Waren die Fehlschätzungen der Institute handwerkliche Fehler oder einfach Pech? Oder können Wahlprognosen prinzipiell gar nicht genauer sein, abgesehen von einfachen Zufallstreffern?

Ich fürchte, Letzteres ist der Fall. Bei Stichproben von 1.000 bis 2.000 Wahlberechtigten für rund 61 Millionen Wahlberechtigte erlaubt allein der statistische Zufallsfehler keine genaueren Vorhersagen. Ja, handwerkliche Verfeinerungen können Verbesserungen ermöglichen, allerdings nur im Promillebereich. Fast genaue Vorhersagen einzelner Institute sind damit nicht ausgeschlossen. Bei den vielen Wahlen, die in Deutschland jährlich stattfinden, und weit mehr als zehn Forschungsinstituten, die Prognosen abgeben, sorgt allein das Glück schon hin und wieder für einen Treffer. 

Den statistischen Zufallsfehler bei Umfragen, auch Lotterieeffekt genannt, können Sie sich am besten so vorstellen: In einem Lostopf liegen 900 Nieten und 100 Gewinne. Wenn Sie jetzt 10 Lose zufällig ziehen, werden Sie wahrscheinlich keinen, einen oder zwei Gewinne ziehen. Entsprechend werden Sie aus Ihrer Stichprobe auf knapp über 0, etwa 10 oder 20 Prozent Gewinne schließen. Der Zufall hat Ihnen Ihr einziges Indiz in die Hand gegeben. 

Genau so geht es den Wahlforschern. Sie ziehen etwa 1.000 Wähler aus dem großen Topf und müssen aufgrund dieser Stichprobe eine Schätzung über die Verteilung in der gesamten Wählerschaft wagen. Das birgt erhebliche Fehlerrisiken, wie übrigens auch die Forscher selbst zugeben. So räumt die Forschungsgruppe Wahlen einen Fehlerbereich von +/- drei Prozentpunkten ein. Messen wir also die CDU/CSU bei 40 Prozent, können es auch 37 oder 43 Prozent Zustimmung bei allen Wahlberechtigten sein. (Anmerkung der Redaktion: Aus diesem Grund stellt ZEIT ONLINE die Wahlprognosen der Institute in diesem Jahr mitsamt des Fehlerkorridors dar.)

Es gibt neben dem reinen Zufallsfehler bei Wahlumfragen mehrere weitere Fehlerquellen:

  • Befragte geben an, wählen zu gehen, tun es am Wahltag dann aber doch nicht.
  • Befragte ändern bis zur Wahl Ihre Meinung.
  • Befragte schämen sich, ihre bevorzugte Partei anzugeben – bei Wählern vom rechten Rand ein bekanntes Phänomen.
  • Befragte foppen den Meinungsforscher, weil sie sich über die häufigen telefonischen Befragungen ärgern.