Vom Abschneiden der AfD könnte abhängen, wer künftig in Niedersachsen regiert. Doch die Parteizentrale der Rechtspopulisten in Lüneburg ist kaum zu erreichen. Meist läuft nur der Anrufbeantworter. Als sich schließlich doch eine Mitarbeiterin meldet, klagt sie über die "Hetze" der Medien gegen ihre Partei. Trotzdem verspricht sie, Kontakt herzustellen zur Spitzenkandidatin Dana Guth und zum Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel, gegen dessen Willen Guth für die Wahl nominiert wurde.

Die Immobilienmaklerin schickt Tage später eine kurze SMS, was man von ihr wolle. Dann meldet sie sich nicht mehr. Auch auf schriftliche Nachfrage beim Pressesprecher, der nur für den Wahlkampf engagiert wurde, keine Reaktion.

Kein Wunder: Guth hat im Moment genug zu tun. Nicht allein mit dem Wahlkampf gegen die von der AfD sogenannten Altparteien, sondern vor allem mit dem Kampf in den eigenen Reihen. Nicht nur der Landesvorsitzende macht Guth das Leben schwer. Auch ihre Kreistagsfraktion in Göttingen hat sie vergangene Woche ausgeschlossen. Interessanterweise mit dem gleichen Vorwurf, den sie und andere Kritiker Hampel machen: selbstherrlicher, autoritärer Führungsstil. Guth schaltete ein Gericht ein, ihre Wiederaufnahme in die Fraktion zu erzwingen. Zudem ist die Kasse der Landespartei  leer. Lange Zeit war unsicher, wie der Wahlkampf bezahlt werden soll.

In den anderen Parteien würde man über solches Gebaren, insbesondere gegenüber einer Spitzenkandidatin kurz vor einer wichtigen Landtagswahl, nur den Kopf schütteln. Doch in der AfD sind hart geführte persönliche Konflikte zwischen den verschiedenen Flügeln und Lagern Alltag. Vor zwei Jahren unterlag Parteigründer Bernd Lucke im internen Machtkampf gegen Frauke Petry, weil er den rechten Flügel der Partei, den er lange selbst gestärkt hatte, nicht mehr beherrschen konnte. Nun warf auch Petry hin. Sie verließ die Partei, die nun auch ihr zu rechts geworden ist.

"Dann wird aufgeräumt"

Nicht immer ist leicht auszumachen, ob die Auseinandersetzungen in der AfD ideologisch bedingt sind oder ob es sich in erster Linie um Machtkämpfe handelt. Oft ist es wohl eine Mischung aus beiden, wie häufig in jungen Parteien.

Hampel war früher Fernsehjournalist, bis 2008 berichtete er als ARD-Korrespondent aus Indien, er gehört zum Bundesvorstand der Partei, seit dem 24. September ist er Bundestagsabgeordneter. Der 60-Jährige empfängt in einem Ausflugscafé an einem kleinen See in der Lüneburger Heide. Seit er vor vier Jahren aus Indien zurückkam, lebt er hier mit seiner Frau in der Nähe in einem alten Haus.

Enttäuscht von Theo Waigel

Hampel unterstützt den AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der in einer Rede mit Blick auf den Holocaust von einer verfehlten deutschen Erinnerungskultur fabulierte. Der Weltgereiste spricht zuerst über den Begriff Heimat. Seine Eltern waren beide Heimatvertriebene, Flüchtlinge, wie er sagt. Er selbst habe nie eine richtige Heimat gehabt. Jetzt habe er sich eine in Niedersachsen gesucht.

In die AfD sei er 2013 wegen des Euros gegangen, sagt er. Er sei von Theo Waigel enttäuscht gewesen, der Finanzminister Kohls, der versprochen habe, dass Deutschland nicht für die Schulden anderer Euro-Länder aufkommen wird.

Warum ist die AfD in Niedersachsen in den Umfragen schwächer ist als in anderen Ländern? Warum werden ihr für die Wahl am Sonntag nur sieben bis acht Prozent vorhergesagt, weit unter dem Ergebnis der Bundestagswahl? Hampel bleibt vage: Von Ostwestfalen bis Schleswig-Holstein gebe es einen Landstrich, "in dem die Bindung an die Altparteien noch stärker ist. Die Niedersachsen heiraten in der Regel nur einmal", sagt er. "Das ist sympathisch, aber schlecht für uns."