Zwei Tage vor der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags haben in Berlin Tausende Menschen gegen den Einzug der AfD ins Parlament demonstriert. Die Veranstalter sprachen von 12.000 Teilnehmern, die Polizei von etwas mehr als 10.000. Zu der Kundgebung unter dem Motto "Gegen Hass und Rassismus im Bundestag" im Regierungsviertel hatte die Bürgerbewegung Campact aufgerufen. Zu den Unterstützern zählten unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Linke und der Lesben- und Schwulenverband. Nach Polizeiangaben verlief die Demonstration friedlich.

Der Bundestag dürfe "nicht zum Sprachrohr für Rassismus und Diskriminierung werden", mahnten die Organisatoren. Der 23-jährige Initiator Ali Can sagte, die Geschichte habe "uns gelehrt, zu was Hass und Rassismus führen können". Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, sagte, die Demo sei "ein wertvolles Zeichen, dass sich die Leute nicht damit abfinden, dass jetzt eine Partei im Bundestag sitzt, die sich im Wahlkampf teilweise rassistisch und rechtsradikal geäußert hat".

Nach Veranstalterangaben bildeten die Demonstranten einen "symbolischen Schutzring" rund um das Reichtstagsgebäude. Sie trugen Plakate mit der Aufschrift "Mein Herz schlägt für Vielfalt" oder "Meine Stimme gegen Hetze". Die Protestaktion endete mit einer Kundgebung vor dem Brandenburger Tor.

Die AfD hatte vor der Demonstration von "Stimmungsmache" gegen ihre Abgeordneten und einem "Anschlag auf die Demokratie" gesprochen. Der neue Bundestagsfraktionsvize Peter Felser sprach von einer "nicht hinnehmbaren Diskreditierung" der demokratisch gewählten AfD-Abgeordneten.

Bei der Bundestagswahl am 22. September war die AfD mit 12,6 Prozent der Stimmen drittstärkste Kraft geworden und hatte 94 Sitze im Parlament bekommen. Nach dem Austritt der bisherigen Parteichefin Frauke Petry und des Abgeordneten Mario Mieruch kommt die Partei noch auf 92 Mandate.