Der Werbeaufwand wirkt gewaltig. Schautafeln in deutschen Innenstädten, Plakate an Bushaltestellen, ganzseitige Anzeigen in Magazinen wie dem Spiegel: Dem Bundeswehreinsatz im fernen Mali in Westafrika scheint derzeit niemand entkommen zu können. Drei Soldaten blicken aus einem grafisch verfremdeten Sandsturm auf den Betrachter. "Bist du bereit für eine ECHTE Herausforderung? Folge unseren Kameradinnen und Kameraden in den Einsatz nach Mali und sei hautnah mit dabei!", lockt die YouTube-Serie mit täglichen Videos aus dem Einsatz. 

Das lässt sich die Bundeswehr eine Menge kosten. 6,5 Millionen Euro gaben die Zuständigen für die Nachwuchswerbung aus, die intern unter der Bezeichnung "Arbeitgebermarke Bundeswehr" läuft – und die Produktionskosten der Videos haben daran mit zwei Millionen Euro noch den geringsten Anteil. 4,5 Millionen Euro gehen in die "Medialeistungsbewerbung", die flächendeckende Reklame. Dabei gibt das Heer noch deutlich weniger aus als beim ersten Anlauf zu einer Reality-Video-Serie: Die Onlineserie im vergangenen Jahr, Die Rekruten, kostete 1,7 Millionen Euro für die Videoproduktion – und 6,2 Millionen Euro für die begleitende Werbung. 

Die hippe Werbung ist damit zwar deutlich günstiger, als allein das vergleichsweise kleine Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr mit neuen Gewehren auszurüsten. Dafür müssen sich die Streitkräfte aber auch die Frage gefallen lassen, was genau der Gegenwert dieses Geldes ist. Bringen die Clips wirklich die Generation Y dazu, zu einer Freiwilligenarmee zu gehen, die händeringend nach Nachwuchs sucht?  

21 Prozent mehr Bewerbungen

Die Verantwortlichen im Berliner Bendlerblock beschreiben die Erfolge der Videos vom vergangenen Jahr gerne mit dem sprunghaften Anstieg des öffentlichen Interesses. "Im Sendezeitraum der Serie Die Rekruten gab es 40 Prozent mehr Zugriffe auf die Karriere-Website, ein Viertel mehr Anrufe bei der Karriere-Hotline und 21 Prozent mehr Bewerbungen bei Mannschaften und Unteroffizieren", sagt Oberst Holger Neumann, stellvertretender Ministeriumssprecher. Gleichzeitig habe es "deutlich erhöhte Bewerberzahlen" gegeben, und "da es keine anderen für uns ersichtlichen Einflussfaktoren gab, führen wir diese auf die Die Rekruten zurück." Wie stark die Bewerberzahlen aber letztendlich insgesamt stiegen, verrät das Ministerium nicht.

Für die neue Mali-Serie gibt es bislang noch weniger Zahlen. Aber das Ministerium verweist schon mal darauf, dass sich seit dem Start der Serie vor einer Woche der Zugriff auf die Karriere-Webseite der Bundeswehr verzehnfacht habe. Allein das erste Video, das die Abreise der Soldaten aus der Heimat in den Einsatz in Westafrika zeigt, hat innerhalb weniger Tage mehr als 600.000 Klicks bekommen. 

Klicks allein sorgen zwar nicht für künftige Soldaten, aber das öffentliche Interesse ist der Bundeswehr wichtig für ihr Image. Mit ziemlichem Stolz nahm das Ministerium nicht nur zahlreiche PR-Auszeichnungen für die Rekruten-Webserie entgegen, sondern verweist auch darauf, dass die Bundeswehr im Mai dieses Jahres beim Ranking der beliebtesten Arbeitgeber in der Trendence-Studie den dritten Platz belegte – hinter der Polizei und dem Sportartikelhersteller Adidas.