Der Vorsitzende der Jungen Union (JU), Paul Ziemiak, hat Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei der Bundestagswahl gefordert. Um zur AfD abgewanderte Unionsanhänger zurückzugewinnen, müsse die Union ihr konservatives Profil wieder schärfen, sagte Ziemiak. "Wir müssen die Fehler klar benennen: Es liegt offen auf der Hand, dass sich ein Teil unserer Wähler nicht mehr ausreichend von der Union repräsentiert fühlt." 

Ziemiak forderte auch eine Verjüngung von CDU und CSU. "Wir brauchen junge, unverbrauchte Köpfe in Regierung, Fraktion und Partei", sagte Ziemiak. Das aktuelle CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn gehöre dazu. Die Union müsse die Themen Familienpolitik, Bildung und Digitalisierung in den Mittelpunkt ihrer Politik rücken. Zudem müsse laut dem JU-Chef die Migration im Zentrum von möglichen Koalitionsverhandlungen stehen. 

Die Jungen wollen die Flüchtlingsobergrenze

Die Jugendorganisation der Unionsparteien trifft sich an diesem Wochenende in Dresden zu ihrem "Deutschlandtag". Dabei will sie auch einen Kurs zur Obergrenze für den Flüchtlingszuzug abstimmen. Es sei nötig, dass in der Flüchtlingspolitik unterschieden werde zwischen Flüchtlingen, die in ihrer Heimat verfolgt würden und daher Anspruch auf politisches Asyl hätten, und Menschen, die aus anderen Gründen in Land kämen, sagte Ziemiak. Der Vorsitzende der Jungen Union Bayern, Hans Reichhart, bekräftigte vor dem Treffen die CSU-Obergrenzenforderung: "Es muss einen Mechanismus geben, und zwar in Gesetzesform, der verhindert, dass sich das Jahr 2015 wiederholt – das muss die rote Linie der CSU sein."

In der Union wird nach den schweren Verlusten bei der Bundestagswahl intern über die richtige Aufstellung von CDU und CSU diskutiert. CSU-Chef Horst Seehofer hatte nach der Wahl gefordert, die Union müsse ihre "rechte Flanke" schließen. Am Samstag stellt sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beim JU-Deutschlandtag in Dresden dem Parteinachwuchs. Am Sonntag kommen die Spitzen von CDU und CSU zusammen, um über eine gemeinsame Linie für die Verhandlungen über eine Jamaika-Koalition mit FDP und Grünen zu bestimmen. Als größter Streitpunkt gilt die von der CSU geforderte Obergrenze für Flüchtlinge.

Seehofer unter Druck

Seehofer muss nach dem schlechten Bundestagswahlergebnis seiner Partei in Bayern außerdem um seine Autorität fürchten. Der ehemalige Vizevorsitzende der CSU, Peter Gauweiler, sagte der Süddeutschen Zeitung: "Es gibt von Rilke das schöne Gedicht über den Herbst: 'Herr, es ist Zeit, der Sommer war sehr groß.' Das gilt jetzt für die CSU: 'Horst, es ist Zeit.'"Von den Journalisten auf die Machtambitionen von Seehofers parteiinternem Gegner Markus Söder angesprochen, sagte Gauweiler: "Er ist ein hochbegabter Politiker. Er soll jetzt antreten." Im November wählt die CSU eine neue Parteispitze.