Schätzen Sie mal: Wie oft haben sich die Regierungen dieser Welt schon getroffen, um etwas gegen den Klimawandel zu tun? 22 Mal! Zweiundzwanzig Weltklimakonferenzen gab es inzwischen, und in ein paar Tagen startet in Bonn COP Nummer 23. Wieder wird die internationale Klimarettergemeinde um den Globus jetten – um dadurch denselben zu retten.

Schaut man auf die nackten Zahlen, dann war das Unterfangen bisher nicht besonders erfolgreich. Zwar gab es auf der Konferenz in Paris vor zwei Jahren ein ziemlich beeindruckendes Versprechen: Die durchschnittlichen Temperaturen sollen um nicht mehr als zwei, am besten sogar nur um 1,5 Grad steigen. Leider aber fehlt es in viel zu vielen Ländern an der nötigen beherzten Aktion. Schlimmer noch, seit Präsident Donald Trump die USA in einen Anwalt der Klimaskeptiker verwandelt, fühlen sich all jene bestätigt, die das Problem eh für nicht sehr groß halten, es aber nicht laut zu sagen wagen. Und dadurch wiederum schwindet an viel zu vielen Orten die politische Kraft, die nötig wäre, um die eigene Energieversorgung schnell umzubauen. So, dass weniger Kohle, Öl, Gas verbrannt werden und weniger klimaschädliche Gase in die Atmosphäre gelangen.

Das alles ist so unterirdisch, dass man schon mal fragen muss: Sollte man den ganzen globalen Klimarettungskonferenzenrummel nicht besser in die Tonne treten? Sollten ehrliche Politiker nach 23 Versuchen nicht schlicht sagen: Gut is'! Lasst uns einfach eine ganze Menge CO2 dadurch einsparen, dass unsere Delegierten nicht nach Bonn fliegen.

Spektakulär wäre so ein Schritt sicher. Türknallen kann emotional sehr befreiend sein. Dummerweise nur stoppt es den Klimawandel nicht. Im Gegenteil. Gäbe es regelmäßige internationale Treffen wie das in Bonn gar nicht mehr, würden Regierungen das Problem ja noch mehr verdrängen können – und damit die Lösung in Zukunft noch schwieriger machen: Denn irgendwann, wenn das Wetter völlig außer Rand und Band gerät, und genau das ist ja die Gefahr, helfen dann nur noch drastischere Maßnahmen. 

Tatsächlich also ist die Konferenz in Bonn, so nervig sie auch sein mag, nötiger denn je – übrigens auch für Deutschland, den selbst ernannten Klimaretter. Zwar spielt die Bundesregierung auf der internationalen Bühne eine gute Rolle, drängt regelmäßig auf ehrgeizigere Ziele und finanziert im Süden sinnvolle Umweltprogramme. Aber wenn es darum geht, in Deutschland etwas zu tun, dann ist auch ihre Bilanz peinlich. Auch wir sind weit davon entfernt, unsere Klimaziele zu erreichen. Weil Autofahren zu dreckig, die Landwirtschaft zu umweltschädlich und die Energieversorgung viel zu kohlelastig ist.

Für Deutschland könnte die Klimakonferenz sogar besonders wichtig werden. Denn wenn in Bonn getagt wird, stecken in Berlin die künftigen Jamaika-Koalitionäre wahrscheinlich mitten in den Verhandlungen. Denen könnte die internationale Öffentlichkeit, die das Gastland seit jeher besonders im Blick hat, den nötigen Stups geben. Dass Menschen (also auch künftige Regierungsmitglieder) genau das manchmal brauchen, ist seit dieser Woche ja nobelpreisbelegt. Denn der diesjährige Preisträger Richard Thaler hat bewiesen, was wir intuitiv längst wissen: Um unser Verhalten zu ändern, müssen wir gestupst werden, es muss uns leicht und angenehm gemacht werden, das Richtige zu tun. Das Falsche aber sollte unangenehm sein. Das ist beim Klimaschutz leider nicht anders als beim Rauchen. 

Sicher mag so ein Stups Donald Trump herzlich egal sein. Aber vielen anderen ist es das eben doch nicht nicht. Und den deutschen Politikern schon gar nicht. Wenn die Konferenz also ein globales "Wir wollen Klimaschutz und tun auch was dafür" bekräftigt und auch noch Deutschland in die richtige Richtung stupst, beispielsweise in Richtung Kohleausstieg – dann sind wir zwar global noch nicht im grünen Bereich. Aber doch ein kleines Stückchen weiter.

Die Bundesregierung kann diesmal sogar mit dem Zug zur Konferenz fahren. Damit fängt der Klimaschutz nämlich an!