Unternehmer aus Niedersachsen haben an die FDP appelliert, sich Gesprächen über eine neue Landesregierung nicht zu verweigern und eine Ampel-Koalition mit SPD und Grünen doch noch zu ermöglichen. "Mit koalitionspolitischer Ausschließeritis ist dem Land nicht gedient", sagte der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes NiedersachsenMetall, Volker Schmidt. "Auch die FDP sollte sich ihrer staatspolitischen Verantwortung nach diesem Wahlergebnis bewusst sein."

Bei der Landtagswahl am Sonntag hatte die SPD des amtierenden Ministerpräsidenten Stephan Weil die meisten Stimmen gewonnen und will nun zuerst mit den Grünen über Koalitionsmöglichkeiten reden. Für eine Fortsetzung ihres bisherigen rot-grünen Regierungsbündnisses gibt es jedoch keine Mehrheit mehr. Stattdessen wären eine Ampel-Koalition gemeinsam mit der FDP, eine große Koalition von SPD und CDU oder eine Jamaika-Koalition der CDU zusammen mit den Liberalen und den Grünen möglich.

Letztere Option ist zumindest für FDP-Chef Christian Lindner das erklärte Lieblingsmodell. "In meinen Augen wäre eine Jamaika-Koalition eine neue Regierung, die eine neue Politik macht in Hannover", sagte er im Deutschlandfunk. In einer Ampel-Koalition, die der Landesvorsitzende Stefan Birkner noch am Wahlabend ausgeschlossen hatte, wären die Liberalen jedoch nur Mehrheitsbeschaffer. Als kleinster Partner könne man dann "keine wirklich neue Weichenstellung schaffen". Das Verhältnis der Grünen zur CDU ist allerdings angespannt, nachdem die Politikerin Elke Twesten Anfang August von den Grünen zur CDU gewechselt war und damit die rot-grüne Landesregierung um ihre Mehrheit brachte.

Niedersachsen - FDP bleibt bei Nein zur Ampelkoalition Nach der Abwahl von Rot-Grün in Niedersachsen hoffen SPD und Grüne auf eine Ampelkoalition mit der FDP. Deren Spitzenkandidat Stefan Birkner beharrt jedoch auf seiner Absage. © Foto: Silas Stein/dpa

Birkner hatte bislang gegen eine Ampel-Koalition vorgebracht, er sehe in einem Bündnis mit den eher links orientierten niedersächsischen Grünen keine Chance für einen Neustart, etwa in der Bildungspolitik. Im Unterschied zu Niedersachsen sind die Liberalen in Rheinland-Pfalz 2016 in eine Ampel-Regierung eingetreten. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer verwies zur Begründung auf die langjährige sozialliberale Tradition in dem südwestlichen Bundesland. Zudem sei die FDP dort stärker als die Grünen.

Niedersachsens Regierungschef Weil hält jedenfalls daran fest, auch den Liberalen Gespräche anzubieten. Aus SPD-Parteikreisen hieß es, dies soll noch diese Woche geschehen. Konkrete Termine – auch des geplanten Treffens mit der CDU-Spitze – waren aber zunächst nicht zu erfahren.