Nach der Vorstellung des Abschlussberichts über Behördenversagen im Fall Amri fordern CDU und CSU, die Überwachung von Gefährdern stärker zu zentralisieren. Der Föderalismus gelange "bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus schnell an Grenzen", sagte Unionsfraktionsvize Stephan Harbarth (CDU) der Rhein Neckar Zeitung. "Wir brauchen deshalb bei den Gefährdern eine stärkere Steuerungskompetenz des Bundes." Er schlug vor, das Bundeskriminalamt und das Bundesamt für Verfassungsschutz personell zu stärken.

Der Sonderermittler des Berliner Senats, Bruno Jost, war zu dem Schluss gekommen, dass der Angreifer vom Berliner Weihnachtsmarkt im Sommer oder Herbst 2016 mit "hoher Wahrscheinlichkeit" in Haft hätte genommen werden können. Durch Fehler verschiedener Polizeibehörden in Bund und Ländern sei es aber nicht dazu gekommen und Anis Amri habe seine Tat begehen können. Der Anschlag habe "mit großer Wahrscheinlichkeit" verhindert werden können.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 bei dem Terroranschlag zwölf Menschen getötet. Er war der Polizei lange als potenzieller Islamist und Drogenhändler bekannt und war auch mehrfach festgenommen worden. 

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer, forderte bessere Überwachungsmöglichkeiten. Nun müssten auf allen Ebenen die "nötigen Hausaufgaben" gemacht werden, sagte der CSU-Politiker der Passauer Neuen Presse. "Insbesondere müssen die Polizei- und Justizbehörden in den betreffenden Ländern personell schleunigst besser ausgestattet werden", sagte Mayer. Es müsse gewährleistet werden, dass "Top-Gefährder" wie Amri rund um die Uhr überwacht werden.