Mit seinen Überlegungen zu einem muslimischen Feiertag in Teilen Deutschlands stößt Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der Union auf heftigen Widerspruch. Vor allem Politiker der CSU kritisieren den Vorschlag ihres CDU-Kollegen. "Islam-Feiertage in Deutschland einzuführen kommt für uns nicht infrage", sagte CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt der Bild-Zeitung. "Das christliche Erbe Deutschlands ist nicht verhandelbar." Auch sein Parteikollege, CSU-Innenexperte Stephan Mayer, lehnte de Maizières Vorstoß ab: "Deutschland ist über Jahrhunderte durch die christliche Tradition geprägt und bestimmt worden. Daran hat sich bis heute nichts geändert."

Mit katholischen Feiertagen vergleichbar?

Am vergangenen Freitag hatte sich der Bundesinnenminister bei einer Wahlkampfveranstaltung in Wolfenbüttel offen dafür gezeigt, in bestimmten Regionen Deutschlands muslimische Feiertage einzuführen. De Maizière verglich solche Tage etwa mit Allerheiligen, der auch nur dort ein Feiertag sei, wo viele Katholiken lebten. "Warum kann man nicht auch mal über einen muslimischen Feiertag nachdenken?", sagte er mit Blick auf die große muslimische Gemeinschaft in einigen Städten und Regionen. Zugleich betonte der CDU-Politiker aber: "Generell sind unsere Feiertage christlich geprägt, und das soll auch so bleiben."

Tatsächlich variiert die Anzahl der Feiertage in Deutschland je nach Bundesland. Nur neun Feiertage gelten in allen Bundesländern einheitlich: Neujahrstag (1. Januar), Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Arbeit (1. Mai), Tag der deutschen Einheit (3. Oktober) sowie der erste und zweite Weihnachtsfeiertag (25. und 26. Dezember). Hierbei geht nur der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit, auf ein Bundesgesetz zurück.

CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach sieht hingegen "keinen wirklich überzeugenden Grund", warum nicht-christliche Feiertage in Deutschland unter den Schutz einer gesetzlichen Regelung gestellt werden sollten. "Wir haben eine christlich-jüdische religiöse Prägung, keine islamische", sagte er der Bild-Zeitung. Dennoch könne "nun wirklich jeder nach seiner Façon selig werden. Das gilt auch für das Feiern religiöser Feste."

Ein Zeichen an die Muslime

Auch der stellvertretende CSU-Vorsitzende Manfred Weber differenziert: "Feiertage stehen vor allem für die religiöse Prägung eines Landes und nicht für einzelne Bevölkerungsgruppen", sagte er der Passauer Neuen Presse. Die Integration muslimischer Mitbürger werde durch die Einführung von Feiertagen nicht besser gelingen. 

Dem widersprach Aiman Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland. Ein solcher Feiertag könne integrationsfördernd wirken, sagte er derselben Zeitung. Er würde deutlich machen, dass Muslime Teil der Gesellschaft seien und es "Verständnis untereinander für ein gutes und friedliches Zusammenleben" gebe. "Der Ramadan und das Opferfest bieten sich an."