Der AfD-Kandidat für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, ist auch im dritten Wahlgang durchgefallen. Für Glaser stimmten 114 Abgeordnete und damit weniger als im ersten (115 Ja-Stimmen) und zweiten Durchgang (123 Ja-Stimmen) – aber auch mehr, als die AfD Abgeordnete hat. Von den 685 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 545 Abgeordnete mit Nein, 26 weitere enthielten sich. Für Glaser hätte es im dritten Wahlgang genügt, mehr Ja- als Nein-Stimmen zu erhalten. Der AfD-Politiker war wegen seiner Äußerungen zur Religionsfreiheit und zum Islam in die Kritik geraten.

Die konstituierende Sitzung des Bundestags wurde nach dem dritten Wahlgang von dem neu gewählten Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble beendet. Es werde keine weiteren Abstimmungsrunden geben, sagte der CDU-Politiker. Die AfD könnte nun in einer der nächsten Bundestagssitzungen einen erneuten Anlauf nehmen, einen Vizepräsidenten wählen zu lassen. Ob die Fraktion dazu erneut Glaser oder einen neuen Kandidaten vorschlagen wird, ist noch unklar. Schäuble kündigte an, die nächste Bundestagssitzung werde in der Woche vom 20. November an stattfinden.

Schäuble, der bislang das Amt des Bundesfinanzministers innehatte, war am Nachmittag mit breiter Mehrheit zum Bundestagspräsidenten gewählt worden. Als seine Stellvertreter wurden im ersten Wahlgang der einstige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU, 507 Ja-Stimmen), für die SPD der ehemalige Fraktionschef Thomas Oppermann (396 Ja-Stimmen) und für die FDP Parteivize Wolfgang Kubicki (489 Ja-Stimmen) gewählt. Im Amt als Bundestagsvizepräsidentin bestätigt wurden Petra Pau von der Linksfraktion (456 Ja-Stimmen) und die Grüne Claudia Roth (489 Ja-Stimmen).

Der AfD-Kandidat Glaser konnte schon vor Beginn der konstituierenden Sitzung des Bundestags nicht mit einer Mehrheit rechnen. Die Fraktionen von CDU/CSU, SPD, FDP, Linken und Grünen hatten den Abgeordneten ihr Abstimmungsverhalten freigestellt. Bei der SPD gab es eine Empfehlung, mit Nein zu stimmen. Auch bei den Linken lautete ein Fraktionsbeschluss, Glaser nicht zu wählen. Bei Union, FDP und Grünen hatten die Spitzen der Fraktionen in persönlichen Äußerungen deutlich gemacht, dass Glaser für sie nicht wählbar sei.

Den Eklat einkalkuliert

Die AfD hatte den rechtskonservativen Glaser dennoch nominiert – wohl wissend, dass es zum Eklat kommen könnte. Der AfD-Fraktionsvorsitzende und Vizeparteichef Alexander Gauland hatte zudem angekündigt, seine Partei werde Glaser nach einem Scheitern in der ersten Runde auch in eine dritte oder weitere Abstimmungsrunden schicken.

Glaser hatte im vergangenen April bei einer AfD-Parteiveranstaltung gesagt: "Wir sind nicht gegen die Religionsfreiheit. Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen."

SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles hatte Glaser vor der Sitzung des Bundestags einen Brief geschrieben, in dem sie ihn aufforderte, zu seinen umstrittenen Äußerungen Stellung zu nehmen. Doch Glaser sei eine Antwort schuldig geblieben, sagte Nahles im ZDF.